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Polyarthrose

Schmerzende Fingergelenke früh behandeln

Steife, schmerzende Fingergelenke sind keine bloße Alterserscheinung, die hingenommen werden muss. Das betonen rheumatologische Fachgesellschaften. Patienten könnten etwas tun, wenn sie sich frühzeitig an einen Arzt wenden.
Daniela Hüttemann
28.08.2019  08:00 Uhr

Angaben der Fachgesellschaften zufolge leidet mehr als die Hälfte aller Frauen über 50 Jahren nach längerer Ruhe unter steifen, gelegentlich schmerzenden Fingern. Es kann zu Deformationen der Gelenke und in der Folge zu dauerhaften Schmerzen und Funktionseinschränkungen beim Greifen kommen. »Auch wenn es sich bei der Erkrankung in erster Linie um eine Abnutzungserscheinung handelt, müssen Betroffene nicht tatenlos zusehen«, betont die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich ihrer bevorstehenden Jahrestagung Anfang September in Dresden.

Die sogenannte Fingerpolyarthrose trifft Frauen neunmal häufiger als Männer. »Gerade zu Beginn der Erkrankung haben die Patienten zwar schon knöcherne Deformierungen an den Händen, aber unter Umständen noch gar keine Schmerzen«, sagt DGRh-Vizepräsident Professor Dr. Ralph Gaulke. Betroffene sollten jedoch schon damit beginnen, täglich die Beweglichkeit ihrer Gelenke zu trainieren. 

Treten Schmerzen auf, raten Rheumatologen zunächst zu einer Wärme- oder Kältebehandlung. Liegt eine Entzündung vor, spricht man von einem warmen Gelenk. Hier können Eisbäder helfen. Handelt es sich um rein verschleißbedingte Beschwerden, können Wärmeanwendungen schmerzlindernd wirken. Auch individuell angefertigte Schienen können die betroffenen Gelenke entlasten.

Entzündete Gelenke seien grundsätzlich schwieriger zu behandeln, informiert die DGRh. Viele Betroffene griffen zu schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten. Das sei jedoch leider nicht immer eine Dauerlösung, betont der Rheumatologe im Hinblick auf ernste Nebenwirkungen für Herz-Kreislauf-System und Magen-Darm-Trakt.

Helfen Fingerübungen und Wärmeanwendungen und ist die dauerhafte Verträglichkeit von Schmerzmitteln nicht gegeben, kann eine Operation zur Option werden. Das gilt auch, wenn die Bewegungen des Patienten stark eingeschränkt sind. Häufig betroffen ist das Daumensattelgelenk, erklärt der Mediziner. Hier reibt der Mittelhandknochen bei jeder Bewegung auf das Vieleckbein, einem Handwurzelknochen. Dieser kann operativ entfernt werden. Allerdings kann durch die Lücke eine Instabilität beim Greifen im Daumen entstehen. Möglich ist auch, einen Platzhalter aus Kunststoff einzusetzen, der sich langsam auflöst. Die Lücke wird durch festes Narbengewebe ersetzt. Die klinischen Ergebnisse seien sehr gut, so Gaulke.

Sind die Mittel- und Endgelenke der Finger betroffen, bringe eine Gelenkversteifung das beste Ergebnis. Aber: »Zu diesem Mittel sollten wir erst greifen, wenn die Schmerzen nicht mehr anderweitig behandelbar sind – die Folge einer Versteifung ist nämlich ein vollständiger Funktionsverlust im jeweiligen Gelenk«, so Tagungspräsident Dr. Roger Scholz von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie. Damit es nicht soweit kommt, rät der Orthopäde: »Bei ersten Schmerzen in den Fingergelenken sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, damit die Erkrankung frühzeitig optimal behandelt werden kann.«

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