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Sporen sollens richten

Schluckimpfung gegen Coronavirus in Entwicklung

Auf der Basis von Bakterien-Sporen wollen Forscher der Universität Zürich eine Schluckimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 entwickeln.
Sven Siebenand
17.09.2020  12:00 Uhr

Dreh- und Angelpunkt des Forschungsvorhabens eines Teams um Professor Dr. Cornel Fraefel vom virologischen Institut der Universität sind Sporen des Bakteriums Bacillus subtilis. Die Wissenschaftler haben das bakterielle Erbgut so verändert, dass es die Bauanleitung für Hüllproteine des Coronavirus SARS-CoV-2 enthält.

Die gentechnisch veränderten Bakterien werden im Labor zur Bildung von Sporen angeregt. Diese sind hitzestabil und resistent gegen Umwelteinflüsse. Sie müssen nicht wie andere Impfstoffe gekühlt werden und eignen sich für eine Schluckimpfung. Nach der Einnahme passieren sie den Magen und bilden im Dünndarm teilungsfähige Zellen. Es entsteht ein bakterieller Film, der die Coronavirus-Antigene beinhaltet. Wie bei anderen Impfstoffprojekten gegen SARS-CoV-2 reagiert das Immunsystem darauf mit der Bildung von Antikörpern und T-Zellen.

Das Verfahren mit den Bakterien-Sporen war laut Fraefel bei ersten Impfstoffen im Veterinärbereich erfolgreich. Wie die Hochschule informiert, hat seine Gruppe bereits einen Impfstoff gegen Hundebandwürmer damit entwickelt. Nun steht ein weitaus größeres Projekt an: Dank der Förderung durch den Schweizerischen Nationalfonds ist die Entwicklung eines SARS-CoV-2-Impfstoffs für Menschen geplant.

In ein bis zwei Monaten sollen Tierstudien zur Immunantwort und Sicherheit starten. Läuft dabei alles nach Plan, wären klinische Studien der nächste Schritt. Vorab ist auch sicherzustellen, dass die Sporen sich nicht vermehren können, sollten sie unbeabsichtigt in die Umwelt gelangen. Dazu haben die Wissenschaftler das Erbgut so verändert, dass die Sporen in der Natur nicht vermehrungsfähig sind.

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