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AvP-Insolvenz im Gesundheitsausschuss

»Schlechte Nachrichten für Apotheker«

Keine schnellen Finanzhilfen für AvP-Apotheken und eine Ausschüttung aus der Insolvenzmasse lässt wohl auf sich warten: Nach der Sitzung des Gesundheitsausschusses zur Insolvenz des Rezeptabrechners AvP hat ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die Ergebnisse der Runde als »schlechte Nachricht für Apotheker« bezeichnet.
Cornelia Dölger
08.10.2020  13:04 Uhr

Schmidt, der gestern bei der Expertenbefragung anwesend war, zeigte sich in einer Videobotschaft zwar ernüchtert, aber auch kämpferisch. Auch wenn es zunächst keine finanziellen und staatlichen Soforthilfen für die von der AvP-Insolvenz betroffenen Apotheken geben werde und deren Forderungen wohl auch nicht vollständig befriedigt werden könnten, sei er sicher, dass sich die Abgeordneten ein konkreteres Bild von der Situation der Apothekerinnen und Apotheker machen konnten.

Es mache eben einen großen Unterschied, ob eine Großbank im Kreditportfolio eine Einzelwertberichtigung vornehmen müsse oder ob es um die wirtschaftliche Existenzgrundlage von Familien gehe, sagte Schmidt in dem Video. »Das hat dem einen oder anderen Abgeordneten klargemacht, wie groß das Problem ist, wenn voll haftende Einzelkaufleute in eine solche Situation geraten.«

KfW bereit zu Einzelfallprüfungen

Mit der KfW sei die ABDA in intensivem Gespräch und setze darauf, dass diese bei der Vergabe von Krediten auch Einzelfallprüfungen zulasse, etwa wenn der Kreditnehmer die Anforderungen nicht erfülle. Es habe einen entsprechenden Hinweis gegeben, dass die KfW dazu bereit sei, sagte der ABDA-Präsident.

Für den Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) sind KfW-Kredite ein Schritt in die richtige Richtung – »es müssen allerdings weitere Hilfen erfolgen«, sagte der AVWL-Vorstandsvorsitzende Klaus Michels heute auf Anfrage der PZ. Vor allem weil zu befürchten sei, dass die Außenstände der betroffenen Apotheker aus der Insolvenzmasse nicht komplett gedeckt werden könnten, sei der Staat nun am Zug. »Die Apotheker sind vollkommen unverschuldet in diese Notlage geraten. Ihnen bleibt gar kein anderer Weg, als für die vom Gesetzgeber und den Kassen vorgegebenen komplexen Abrechnungsprozesse ein Rechenzentrum einzuschalten. Deshalb muss der Staat nun auch einstehen.«

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