Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Grippeimpfstoff-Werbung
-
Sanofi mit Angebot an EU-Kommission

Hat der Pharmakonzern Sanofi in Deutschland und Frankreich unfair für seinen eigenen Grippeimpfstoff geworben? Die EU-Kommission prüft. Sanofi schlägt Änderungen vor.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 08.07.2026  15:00 Uhr

Der französische Pharmakonzern Sanofi hat Veränderungen in seiner Kommunikation vorgeschlagen, um europäischen Wettbewerbsbedenken zu begegnen. Das teilt die EU-Kommission mit und fordert alle Interessierten auf, ihre Stellungnahmen bis zum 21. August einzureichen. Dabei geht es in der Regel um Unternehmen oder Organisationen mit wirtschaftlichen oder rechtlichen Interessen. Die Behörde muss ihnen dazu Gelegenheit geben, bevor sie entscheidet, ob Sanofis Zusagen verpflichtend werden.

Die Brüsseler Behörde prüft derzeit, ob Sanofi seit 2024 den eigenen Grippeimpfstoff »Efluelda« in Deutschland und Frankreich mit falschen oder irreführenden Behauptungen als der Konkurrenz »Fluad« überlegen dargestellt und dabei seine Marktmacht ausgenutzt hat. Damit könnte Sanofi gegen europäisches Kartellrecht verstoßen haben. Das Unternehmen wies die Vorwürfe im Juni zurück.

Stiko empfahl beide Impfstoffe

Der Pharmakonzern schlägt nach Angaben der EU-Kommission unter anderem vor, auf seiner deutschen Webseite zwei Jahre lang eine Erklärung zu veröffentlichen. Darin werde klargestellt, dass die deutsche Ständige Impfkommission (Stiko) beide Impfstoffe für ältere Menschen gleichermaßen empfohlen habe. Das Gleiche will der Konzern auf seiner französischen Website mit den aktuellen Empfehlungen der französischen Sachverständigengruppe für Immunisierungsfragen machen.

Außerdem wolle Sanofi den Hinweis auf die aktuelle Stiko-Empfehlung vier Jahre lang in deutsche Werbematerialien aufnehmen. Das Unternehmen würde zudem gegenüber medizinischen Fachkräften die geltenden nationalen Impfempfehlungen nicht infrage stellen, kritisieren oder ihnen widersprechen.

Auch die Werbung mit Influencerinnen und Influencern will das Unternehmen künftig anders gestalten und dabei auf Behauptungen in Bezug auf verbesserte Grippeimpfstoffe verzichten. »Sanofi bietet ferner an, in seine neuen Verträge mit solchen Meinungsführern eine Klausel aufzunehmen, in der auf diese Verpflichtungen verwiesen wird«, so das Unternehmen.

Mit den Verpflichtungsvorschlägen reagiert der Pharmagigant auf vorläufige wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU-Kommission aus dem Juni. Die Behörde kann das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris rechtlich dazu verpflichten, sie einzuhalten. Damit wäre keine Entscheidung verbunden, ob ein Verstoß gegen EU-Kartellvorschriften vorliegt.

Falls Sanofi verbindliche Verpflichtungszusagen nicht einhalten würde, könnte die EU-Kommission eine Geldbuße von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen oder ein tägliches Zwangsgeld in Höhe von fünf Prozent des Tagesumsatzes für jeden Tag der Nichteinhaltung. Die Kommission hatte wegen des Verdachts im vergangenen September Räumlichkeiten von Sanofi in Deutschland und Frankreich durchsucht.

Mehr von Avoxa