| Alexander Müller |
| 20.06.2026 15:40 Uhr |
Großhändler und Apotheken dürften sich im Kampf um eine gerechte Vergütung aber nicht auseinander dividieren lassen. »Wir sind keine Gegenspieler«, so Neuss, der auf das aktuelle Verordnungspaket des Gesetzgebes und die Rücknahme des »Skonto-Urteils« des Bundesgerichtshofs (BGH) verwies. Neuss kann verstehen, dass dies Apotheken auf den ersten Blick positiv erscheine, dämpfte aber Hoffnungen auf eine Rückkehr zu alten Rabattmodellen: »Damalige Konditionen waren dauerhaft nicht tragfähig.«
Die Sanacorp verfolge keine Gewinnmaximierung, müsse aber wirtschaftlich stabil bleiben. Und der BGH habe unmissverständlich festgestellt, dass der Großhandel nicht dafür da sei, strukturelle Defizite bei der Vergütung der Apotheke auszugleichen. Er habe keine Sorgen um Diskussionen über Konditionen, aber um die Tendenz der Umverteilung innerhalb des Systems, so Neuss. Vielmehr müsse die Vergütung der Apotheken und des Großhandels an die wirtschaftlichen Realitäten angepasst werden. Denn auch die Großhändler müssten höhere Kosten sowie mehr regulatorische Anforderungen und Dokumentationspflichten schultern.
Zudem will die Sanacorp weiter in Infrastruktur investieren. Der Umbau der Niederlassung Düsseldorf befinde sich auf der Zielgeraden. Neubauprojekte in Offenburg und Stralsund schreiten nach Unternehmensangaben planmäßig voran. Mit dem geplanten Neubau in Ettlingen werde zudem die vollständige Integration der Fiebig-Gruppe vorangetrieben.
Neuss ging auch auf die neue Lage mit Blick auf politische, finanzielle und geopolitische Risiken ein: »Arzneimittelversorgung ist längst nicht mehr nur Gesundheitspolitik. Sie ist Standortpolitik. Sie ist Industriepolitik. Und sie ist ein Teil der strategischen Sicherheit Europas.«
Der Vorstand schlägt außerdem eine Änderung der Satzung und Verschiebung des Geschäftsjahrs vor. Hintergrund ist ein Zielkonflikt bei der Lagerhaltung: Volle Lager seien wichtig für die Warenverfügbarkeit zum Jahreswechsel, erklärte Neuss. Aus bilanzieller Sicht und mit Blick auf die Finanzierungsmöglichkeiten sei dagegen eine geringe Verschuldung am Jahresende wünschenswert. Die Verschiebung des Geschäftsjahres könne Mehrerträge »im guten sechsstelligen« Bereich bewirken. Hierzu soll ein Rumpfgeschäftsjahr eingefügt werden.