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Neurodermitis

Salz als Checkpoint der Allergie

Kochsalz steuert bei Neurodermitis die Programmierung bestimmter Immunzellen und trägt so womöglich zur Entstehung der allergischen Hauterkrankung bei. Eine salzhaltige Kost könnte somit für den Anstieg der Neurodermitis-Fallzahlen mitverantwortlich sein.
Annette Mende
21.02.2019
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In Industrienationen ist die Häufigkeit von Allergien in den vergangenen 50 Jahren stark angestiegen. Heute leidet hier fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer Allergie. Für die Zunahme allergischer Erkrankungen werden üblicherweise Umweltfaktoren verantwortlich gemacht, wobei größtenteils unklar ist, was für Faktoren das sind und wie sie wirken.

Als einen Kandidaten für einen solchen Einflussfaktor bringen Forscher um Julia Matthias von der Technischen Universität München (TUM) jetzt das Kochsalz ins Spiel. Im Fachjournal »Science Translational Medicine« beschreibt die Gruppe, dass Natriumchlorid naive menschliche T-Zellen zu Th2-Zellen umprogrammiert, als die sie dann vermehrt IL-4 und IL-13 produzieren. Diese Interleukine werden bei Neurodermitis im Übermaß freigesetzt. Die Veränderungen sind rückläufig, sobald die Zellen wieder weniger hohen Salzkonzentrationen ausgesetzt sind.

Durch Messung der Natriumwerte in der Haut von Neurodermitis-Patienten konnten die Forscher zudem zeigen, dass die Natriumkonzentration in erkrankten Hautarealen bis zu 30-fach höher ist als in gesunder Haut. Dieser Befund passe gut zu einer weiteren Eigenschaft von Neurodermitis, so Seniorautorin Professor Dr. Christina Zielinski in einer Pressemitteilung der TUM: »Es ist seit Langem bekannt, dass Neurodermitis-Patienten eine starke Anreicherung des Bakteriums Staphylococcus aureus auf der Haut haben. Dieses Bakterium vermehrt sich unter salzigen Bedingungen, während Salz anderen Bakterien der Hautflora schadet.«

Die Autoren bezeichnen Kochsalz daher als »Ionen-Checkpoint«, der sowohl die krankheitsauslösenden T-Zellen als auch das atopische Mikromilieu der Haut formt. »Bislang konnten wir allerdings nicht nachweisen, wie die hohen Salzmengen in die Haut gelangen«, so Zielinski. »Ebenso wenig wissen wir, ob man durch eine salzarme oder salzreiche Ernährung die Entstehung oder den Verlauf der Neurodermitis oder anderer allergischer Erkrankungen beeinflussen kann.« Diese und ähnliche Fragen wollen sie und ihr Team in zukünftigen interdisziplinären Studien beantworten.

DOI: 10.1126/scitranslmed.aau0683

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