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Österreichische Medikationsdaten

Säureblocker könnten Allergierisiko erhöhen

Verschreibungsdaten aus Österreich legen nahe, dass die Einnahme von Magensäure-hemmenden Arzneimitteln das Allergierisiko erhöht. Zumindest folgen nach einer Säureblocker-Verordnung doppelt bis dreimal so häufig Antiallergika-Verordnungen wie nach kardiovaskulären Verschreibungen.
Daniela Hüttemann
31.07.2019
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Forscher vermuten schon länger, dass Arzneistoffe, die die Säurezusammensetzung im Magen beeinflussen, über ihre gewünschte Wirkung auch unerwünschte Effekte auf das Immunsystem haben. So können Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) Mastzellen aktivieren und das Mikrobiom negativ beeinflussen. Diese zuvor in Modellen beobachteten Effekte werden nun von der neuen Auswertung von Verschreibungsdaten aus Österreich untermauert.

Die Forschergruppe um Professor Dr. Erika Jensen-Jarolim von der Medizinischen Universität Wien sah sich Verschreibungsdaten von mehr als acht Millionen Österreichern zwischen 2009 und 2013 an. Das entspricht in etwa 97 Prozent der Bevölkerung unseres Nachbarlandes. Erhielten Patienten ein ärztlich verordnetes Magenschutzmittel wie einen PPI, einen H2-Blocker, Sucralfat oder Prostaglandin E2, war ihr Risiko, in den Folgejahren auch ein antiallergisches Mittel zu bekommen, im Schnitt doppelt so hoch wie bei Patienten mit Blutdruck- oder Lipidsenker. Dabei reichte schon die Verordnung von sechs Tagesdosen Säureblocker pro Jahr, um das Risiko zu erhöhen. Je mehr Säureblocker-Dosen verordnet wurden, desto häufiger folgte auch eine Antihistaminika-Verschreibung, berichten die Forscher aktuell in »Nature Communications«.

Frauen hatten ein höheres Risiko als Männer, und es hing vom Alter ab. So war die Rate bei den Unter-20-Jährigen um 47 Prozent erhöht, bei den Über-60-Jährigen aber sogar um 520 Prozent. Senioren mussten also nach einer Säureschutz-Verordnung mehr als fünfmal so häufig ein antiallergisches Medikament nehmen, als normal zu erwarten war.

Die Verordnungsdaten zeigen jedoch nicht, gegen welche Art von Allergie die Antihistaminika oder spezifischen Immuntherapien verordnet wurden. Vermutet wird, dass der erhöhte pH-Wert im Magen unter anderem dazu führt, dass Proteine aus der Nahrung in weniger kleine Fragmente gespalten werden. Diese größeren Peptide könnten im Dünndarm als Protoallergene fungieren. Das könnte Allergien auslösen oder verstärken.

Die Datenanalyse zeigt lediglich eine Assoziation, beweist jedoch keinen kausalen Zusammenhang. Die neuen Erkenntnisse sind dennoch ein weiterer Hinweis, Säureblocker wie PPI nicht unkritisch über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Das meint auch Studienleiterin Jensen-Jarolim: »Die sogenannten ›Magenschoner‹ sollte man nicht länger als nötig einsetzen. Sie verhindern die Proteinverdauung, verändern das Mikrobiom im Magen-Darm-Trakt und erhöhen das Risiko für allergische Reaktionen. Sobald sie ihre medizinisch verordnete Aufgabe erfüllt haben, sollte man sie rasch wieder absetzen.« Allein 2013 erhielten in Österreich mehr als 1,5 Millionen Menschen ein PPI auf Rezept. Das sind 17,4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

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