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Entrectinib

Roche bleibt Bayer auf den Fersen

Mit Entrectinib ist ein zweiter TRK-Inhibitor in der EU zugelassen worden, dessen Zulassung nicht an den Ort des Tumors im Körper gebunden ist. Der erste Vertreter dieser Wirkstoffklasse kam mit Larotrectinib bereits vergangenes Jahr auf den Markt.
Kerstin A. Gräfe
19.08.2020  13:00 Uhr

Entrectinib (Rozlytrek®) von Roche ist wie Larotrectinib (Vitrakvi®) von Bayer ein Inhibitor der Tropomyosin-Rezeptor-Kinasen (TRK). Konkret hemmt der Neuling die Tropomyosin-Rezeptor-Kinasen TRKA, TRKB und TRKC. TRK haben unter anderem über verschiedene Signalkaskaden Einfluss auf die Differenzierung von Neuronen. Fusioniert das dem TRK-Protein zugrundeliegende neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase- (NTRK-)Gen mit einem anderen Gen, kann das zur Bildung eines sogenannten TRK-Fusionsproteins führen. Dieses ist ständig aktiv und gibt dauerhaft Signale weiter, dass die Zelle wachsen und sich teilen soll, wodurch aus gesunden Zellen Krebszellen werden.

Mit etwa 90 bis 100 Prozent ist die Krebsart, die am häufigsten auf einer NTRK-Genfusion beruht, das Fibrosarkom bei Kindern. Des Weiteren wurden bislang NTRK-Fusionsproteine zum Beispiel bei soliden Tumoren der Brust, des Darms, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse, der weiblichen Geschlechtsorgane und bei Sarkomen gefunden.

Rozlytrek ist als Monotherapie zur oralen Behandlung von Patienten ab zwölf Jahren mit soliden Tumoren mit NTRK-Fusionen zugelassen. Voraussetzung ist,

  • dass eine lokal fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankung vorliegt oder eine Erkrankung, bei der eine chirurgische Resektion wahrscheinlich zu schwerer Morbidität führt,
  • die Betroffenen keinen NTRK-Inhibitor erhalten haben und
  • keine zufriedenstellenden Therapieoptionen zur Verfügung stehen.

Außer den TRK hemmt Entrectinib auch die protoonkogene Tyrosin-Proteinkinase ROS (ROS1). Auch beim ROS1-Gen können Genfusionen vorkommen, die zu einer unkontrollierten Zellproliferation führen. Dies ist zum Beispiel beim nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) der Fall. Derartige Genfusionen sind mit 1 bis 2 Prozent sehr selten und treten vor allem bei jüngeren Patienten auf.

Entrectinib darf daher auch zur Behandlung von Erwachsenen mit ROS1-positivem NSCLC eingesetzt werden, die die zuvor keine Behandlung mit ROS1-Inhibitoren erhalten haben.

Rozlytrek ist bereits seit dem 31. Juli in der EU zugelassen. Ab dem 1. September wird es im Markt verfügbar sein.

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