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SARS-CoV-2

RKI stellt Zählweise um

Das Robert-Koch-Institut (RKI) wird seine Zählweise der Fälle von Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 umstellen. Dadurch könnte in den nächsten Tagen der Eindruck entstehen, dass die Fallzahlen sinken, obwohl das gar nicht stimmt.
Annette Mende
13.03.2020
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»Wie erwartbar war, steigen die Zahlen der Coronavirus-Infektionen und auch der Todesfälle weltweit an«, sagte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler heute beim täglichen Pressebriefing des Instituts in Berlin. »Wir haben es mit einer Pandemie zu tun. Diesen Anstieg der Zahlen müssen wir auch noch in den nächsten Wochen erwarten«, betonte Wieler. Dabei habe sich der Schwerpunkt verlagert: Die meisten Fälle träten momentan außerhalb Chinas auf.

In Deutschland gibt es mittlerweile 2369 laborbestätigte Fälle, sechs Patienten sind an der durch SARS-CoV-2 verursachten Erkrankung Covid-19 gestorben. Die Situation sei »sehr dynamisch«, so Wieler. Seit dem Vortag habe es eine Zunahme von 10 Prozent der Fallzahlen gegeben. Am stärksten betroffen seien nach wie vor die Bundesländer Nordrhein-Westfalen gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Die absoluten Fallzahlen in diesen bevölkerungsreichen Ländern müssten jedoch ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt werden. Demnach gebe es in Nordrhein-Westfalen 3,8 Fälle pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Sachsen sind es zurzeit 0,74 pro 100.000 Einwohner. Die Situation könne sich jedoch sehr schnell ändern. »Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Epidemie nicht gleichmäßig durch unser Land geht, sondern dass es, so wie wir das von der Grippe seit Jahrzehnten kennen, immer wieder regionale Foci geben wird«, sagte Wieler.

Das RKI veröffentlicht auf seiner Website täglich die aktuellen Fallzahlen. Bislang wurden dabei die laborbestätigten Fälle genannt. Diese Zahl weicht aber laut Wieler von der offiziell ans RKI gemeldeten Zahl geringfügig ab. Der Grund dafür sei, dass die Fälle bei den Gesundheitsämtern händisch erfasst und in eine Software eingetragen werden müssten, über die sie dann ans RKI übermittelt werden. Hierdurch entstehe ein Zeitverzug von etwa drei bis vier Tagen. So seien etwa von den derzeit 2369 laborbestätigten Fällen erst 1892 offiziell übermittelt worden.

Bislang habe das RKI die laborbestätigten Fälle einzeln validiert. Das sei aber angesichts der Ausbreitung des Virus nicht mehr zu schaffen. »Wir werden uns daher zukünftig auf die offiziellen Meldezahlen beschränken«, gab Wieler bekannt. Dadurch dürfe jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass die Fallzahlen abnehmen.

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