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Hypertensive Komplikationen
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Risiko über die Geburt hinaus

Hypertensive Komplikationen in der Schwangerschaft sind mehr als ein vorübergehendes Gesundheitsproblem. So erhöht etwa die Präeklampsie das kardiovaskuläre Risiko von Frauen noch lange über die Geburt ihres Kindes hinaus. Eine moderne Diagnostik und die ASS-Prophylaxe haben die Prävention jedoch deutlich verbessert.
AutorKontaktHolger Stepan
Datum 16.11.2025  08:00 Uhr

Arzneistoffe der Wahl

Entsprechend der aktuellen S2k-Leitlinie »Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie« (AMWF-Registernummer 015 – 018) sind als Mittel der ersten Wahl α-Methyldopa, Nifedipin und Metoprolol als orale Medikation benannt. Für diese Präparate bestehen die längsten klinischen Erfahrungen und sie sind bezüglich einer möglichen Teratogenität unbedenklich. Absolut kontraindiziert sind dagegen AT1-Antagonisten (Sartane), weil sie die Nieren des Fetus massiv schädigen können.

Im Wochenbett wird α-Methyldopa nicht mehr empfohlen, unter anderem, weil über eine Assoziation zwischen der Gabe dieses Wirkstoffs und einer Wochenbettdepression berichtet wurde. Obwohl für diesen Zusammenhang kaum Evidenz besteht, hat er zu Verunsicherung geführt. Ein erhöhter mütterlicher Blutdruck nach der Geburt sollte heute vorzugsweise mit einem ACE-Hemmer behandelt werden. Der Vorteil besteht vor allem in einem schnelleren Wirkungseintritt. Außerdem muss die Wöchnerin, die unter dieser Medikation stillen kann, im Vergleich zu Präparaten mit α-Methyldopa deutlich weniger Tabletten einnehmen.

Präeklampsie-Prophylaxe mit ASS

Auch wenn es derzeit außer der Entbindung und damit der Entfernung der Plazenta noch keine kausale Therapie für die Präeklampsie gibt, gibt es eine starke Evidenz dafür, dass eine Sekundärprophylaxe mit Acetylsalicylsäure (ASS), wenn in einer vorangegangenen Schwangerschaft eine Präeklampsie aufgetreten ist, sehr effektiv ist. Es ist mittlerweile hinreichend belegt, dass andere »Kandidaten« wie Heparin, Selen, Calcium, Zink, Fischöl et cetera keinen wirklichen Nutzen haben.

Anders ist es bei der Acetylsalicylsäure. In der großen und wichtigen Studie ASPRE (»Ultrasound in Obstetrics & Gynecology« 2017, DOI: 10.1002/uog.18816) konnte gezeigt werden, dass bei Frauen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko die tägliche Einnahme von 150 mg ASS die Häufigkeit einer späteren Präeklampsie deutlich senkt. Die ASS-Therapie bewirkt, dass vor allem die Häufigkeit der frühen Präeklampsien – bei der eine Entbindung vor der 34. Schwangerschaftswoche (SSW) notwendig ist, um die Risiken für Mutter und Kind zu senken – um etwa 80 Prozent sinkt. Für spätere Präeklampsien ist der Effekt nicht ganz so dramatisch, aber immerhin noch sehr überzeugend. Seit dieser Studie ist die ASS-Prophylaxe vollumfänglich akzeptiert und auch in den Leitlinien implementiert.

Es gibt die Empfehlung, dass Frauen im Rahmen des First-Trimester-Screenings in der 12. beziehungsweise 13. SSW auch bezüglich einer späteren Präeklampsie gescreent werden und bei einem erhöhten Risiko eine ASS-Prophylaxe erhalten sollen. Die Gabe von mindestens 100 mg, besser 150 mg täglich, sollte bis zur 35. SSW erfolgen und dann ohne Ausschleichen abgesetzt werden. Es ist wichtig, die Schwangeren darauf hinzuweisen, dass sie ASS abends vor dem Schlafengehen einnehmen sollen, da der Effekt dann durch eine bessere zirkadiane Bioverfügbarkeit am stärksten ist.

Es gibt mittlerweile erste Hinweise darauf, dass durch die mehr und mehr durchgesetzte ASS-Prophylaxe weniger beziehungsweise zeitlich nach hinten verschobene Präeklampsien auftreten, was einen enormen klinischen Nutzen hat. So lässt sich zusammenfassend feststellen, dass am Nutzen einer Sekundärprophylaxe mit ASS kein Zweifel mehr besteht und Frauen mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie eine ASS-Prophylaxe erhalten müssen. Dazu zählen Schwangere mit einem auffälligen Befund beim First-Trimester-Screening oder mit Präeklampsie in der Vergangenheit (Zustand nach Präeklampsie).

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