In den letzten Jahren haben epidemiologische und klinische Daten immer mehr gezeigt: Eine Präeklampsie ist kein auf die Dauer der Schwangerschaft und des Wochenbetts begrenztes Gesundheitsproblem, sondern Frauen haben nach dieser Komplikation ein deutlich höheres kardiovaskuläres Risiko auf Lebenszeit. Das betrifft hauptsächlich spätere kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Arteriosklerose, Schlaganfall, aber auch Niereninsuffizienz und zum Teil auch Typ-2-Diabetes.
Der epidemiologische Zusammenhang ist erdrückend – auch wenn das pathogenetische Bindeglied zwischen der akuten Schwangerschaftskomplikation und dem erhöhten Risiko für spätere internistische Erkrankungen der Mutter noch nicht ganz klar ist. So erhöht sich das relative Risiko für einen Herzinfarkt und eine chronische ischämische Herzkrankheit (CIHK) je nach Studie auf das Zwei- bis Achtfache.
Werdende Mütter, die in einer zurückliegenden Schwangerschaft schon einmal eine Präeklampsie hatten, sollten eine medikamentöse Prophylaxe erhalten. / © Adobe Stock/SianStock
Ob die betroffenen Frauen schon vor der Schwangerschaft eine mögliche Risikodisposition hatten (etwa durch eine subklinische endotheliale Dysfunktion), die dann durch die Schwangerschaft demaskiert und zum ersten Mal symptomatisch wird – oder ob die Schwangerschaft einen bleibenden kardiovaskulären Schaden bei der Mutter hinterlässt, der dann Jahre später zu einer Problematik und Symptomatik führt –, ist im Moment noch unklar.
Auf jeden Fall ist eine Schwangerschaft für das kardiometabolische System der Frau ein »Stresstest«, der einen ganz klaren Hinweis darauf gibt, ob die Frau Jahre oder Jahrzehnte nach der Schwangerschaft ein altersentsprechendes oder ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hat.
Aus den vorliegenden Studien kann auch abgeleitet werden, dass vor allem die Kombination aus Präeklampsie, Frühgeburtlichkeit und intrauteriner Wachstumsverzögerung das höchste Risiko generiert. Es gibt darüber hinaus auch einen kumulativen Effekt, was bedeutet, dass Frauen, die in mehreren aufeinanderfolgenden Schwangerschaften eine Präeklampsie oder eine andere Manifestationsform einer Plazentainsuffizienz hatten, später das höchste kardiometabolische Risiko haben. Das gilt auch für eine spätere Niereninsuffizienz. Es muss heute klar anerkannt werden, dass eine hypertensive Schwangerschaftskomplikation für eine Frau der mit Abstand führende genderspezifische Risikofaktor für eine spätere internistische Problematik ist.
Mittlerweile hat dieses Wissen auch die Internisten und Kardiologen erfasst, sodass bei kardiologischen beziehungsweise kardiovaskulären Erkrankungen bei Frauen die reproduktive Anamnese inzwischen an erster Stelle steht. Dabei wird unter anderem gefragt: »Waren Sie jemals schwanger?« oder »Verlief die Schwangerschaft normal oder gab es Komplikationen wie Bluthochdruck oder eine Plazentafehlfunktion?«.
Interessanterweise gibt es darüber hinaus auch einen Zusammenhang zwischen hypertensiven Schwangerschaftskomplikationen und späterer Herzinsuffizienz. Männer und Frauen stellen sich bezüglich der Herzinsuffizienz klinisch unterschiedlich dar: Während Herzinsuffizienz bei Männern häufig mit einer eingeschränkten linksventrikulären Pumpfunktion einhergeht (HFrEF: Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion), stellt sich bei Frauen die Herzinsuffizienz eher im Sinne einer diastolischen Dysfunktion mit erhaltener linksventrikulären Pumpfunktion dar (HFpEF: Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion). Das Herz passt sich bei einer Frau nach der Geburt normalerweise strukturell und funktionell an (Remodeling). Dieser Umbauprozess ist wichtig für die Erholung und die langfristige Gesundheit. In Herzultraschall-Untersuchungen konnte gut demonstriert werden, dass bei Frauen, die eine Präeklampsie hatten, das nach der Entbindung stattfindende Remodeling des Herzens beeinträchtigt ist und so der Weg in Richtung »weiblicher« Herzinsuffizienz gebahnt wird.
Das Wissen um die Verbindung zwischen hypertensiven Schwangerschaftskomplikationen und der späteren Neigung zu kardiometabolischen Erkrankungen muss den Frauen mitgeteilt und richtig kommuniziert werden. Dabei geht es nicht darum, ihnen Angst zu machen, sondern vielmehr darum, die Frauen positiv zu beraten in dem Sinne, dass sie andere Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder fehlende körperliche Aktivität vermeiden sollten. Die Zeit nach der Schwangerschaft sollte als Chance genutzt werden, positiven Einfluss zu nehmen – etwa durch eine entsprechende Nachsorge, einer wenn nötig frühen medizinischen Intervention und einen entsprechenden Lebensstil; denn die geschilderte Problematik bedeutet nicht, dass sich in jedem Fall ein kardiovaskuläres Problem auch klinisch manifestiert, sondern lediglich, dass das Risiko für eine solche Erkrankung erhöht ist.
Aus verschiedenen Untersuchungen lässt sich ableiten, dass Frauen nach einer Präeklampsie in Bezug auf ihre Gefäßgesundheit etwa zehn Jahre »älter« sind als Frauen, die eine gesunde Schwangerschaft hatten.
Im Moment ist noch nicht geklärt, wie ein entsprechendes Nachsorgeprogramm aussehen könnte, wer es durchführt und wie es im deutschen Vergütungssystem abgebildet wird. Es gibt jetzt – um einen Anfang zu setzen – einen Nachsorgepass für Frauen mit plazentarer Problematik, der in der online verfügbaren Leitlinie abrufbar ist und erstmals diese Problematik thematisieren und verschriftlichen soll.
Es gibt erste Hinweise darauf, dass auch eine relativ frühe Intervention bereits sehr positive Effekte haben kann. In einer Studie konnte beispielsweise gezeigt werden, dass bei Frauen mit vorangegangener Präeklampsie eine postpartale Behandlung mit einem ACE-Hemmer die Herzfunktion sehr positiv beeinflussen kann.