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Hypertensive Komplikationen
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Risiko über die Geburt hinaus

Hypertensive Komplikationen in der Schwangerschaft sind mehr als ein vorübergehendes Gesundheitsproblem. So erhöht etwa die Präeklampsie das kardiovaskuläre Risiko von Frauen noch lange über die Geburt ihres Kindes hinaus. Eine moderne Diagnostik und die ASS-Prophylaxe haben die Prävention jedoch deutlich verbessert.
AutorKontaktHolger Stepan
Datum 16.11.2025  08:00 Uhr

Ursache und Entstehung der Präeklampsie

Nachdem die Ursache der Präeklampsie lange Zeit unbekannt war und sie als mysteriöse Schwangerschaftskomplikation und »Krankheit der Theorien« angesehen wurde, wurden die Ätiologie und Pathobiologie in den letzten zwei Jahrzehnten zu großen Teilen aufgeklärt – sodass nun ein neues Verständnis von der Ursache dieser Schwangerschaftserkrankung vorliegt.

Es ist die jetzt allgemein akzeptierte Vorstellung, dass die Plazenta das zentrale, kausal verursachende Organ im Krankheitsgeschehen ist und im Mittelpunkt des Syndroms steht. Stimuliert durch Faktoren, die im Moment noch nicht vollständig bekannt sind, produziert die Plazenta im Zustand der Präeklampsie in hohen Konzentrationen antiangiogene Faktoren, die die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) hemmen und das Endothel schädigen.

Im Jahr 2003 konnte erstmals gezeigt werden, dass ein lösliches Fragment des VEGF-Rezeptors 1 (sFlt1) bei der Präeklampsie hochreguliert wird und in hohen Konzentrationen in das mütterliche Blut freigesetzt wird. Dieses antiangiogene »schlechte« Protein (sFlt1) bindet an ein angiogenes »gutes« Protein (PLGF = plazentarer Wachstumsfaktor), das in der Folge nicht an seinen physiologischen Rezeptor binden kann.

Beide Faktoren sind heute leicht im mütterlichen Blut kommerziell messbar; die Bestimmung des sFlt1/PLGF-Quotienten ist zu einem Standard in der Diagnostik geworden und mittlerweile in den Leitlinien implementiert. Diese Biomarker haben die Diagnostik dramatisch verbessert, weil Ärzte dadurch sehr zuverlässig erkennen können, ob eine Präeklampsie vorliegt oder nicht. Die diagnostische Präzision dieser Biomarker geht weit über diejenige von konventionellen Blutdruckmessungen und Proteinurie-Bestimmung hinaus.

Zusätzlich können diese Biomarker bei Patientinnen mit erhöhtem Risiko beziehungsweise mit Verdacht auf Präeklampsie sehr gut den weiteren Schwangerschaftsverlauf vorhersagen.

Dominieren die antiangiogenen Faktoren wie sFlt1 und sind die angiogenen Faktoren wie PLGF reduziert (antiangiogener Status), ist dies der Schlüsselmechanismus in der Pathogenese der Präeklampsie, aber auch der frühen Wachstumsverzögerung des Fetus in der Gebärmutter und des HELLP-Syndroms. Letzteres ist eine Sonderform der Präeklampsie, die durch eine Leberfunktionsstörung mit einer typischen Laborkonstellation aus Hämolyse, erhöhten Leberwerten und Thrombozytopenie einhergeht.

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