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Beratungsintensive Arzneiformen

Richtig appliziert ist halb kuriert

Der häufigste Grund für eine patientenbedingte Funktionsstörung des Pens ist »Wechsel-Muffel«. Jedoch wechselt nur ein Viertel der Diabetes-Patienten die Nadel nach jeder Applikation. Im Durchschnitt verwenden sie die Nadel 3,7-mal, jeder Zehnte sogar mehr als zehnmal. Die Folgen: erhöhtes Infektionsrisiko, Schmerzen und Mikrotraumen durch verbogene oder brechende Nadeln, Dosisschwankungen und eventuell geringere Wirksamkeit.

Weiterer Fehler: Bei Temperaturschwankungen können Luftblasen in der Patrone entstehen. Man entfernt die Blasen, indem man den Pen senkrecht nach oben hält und zwei bis drei Einheiten herausspritzt.

Was ist bei der Kanülenlänge zu beachten? Kanülen über 8 mm Länge sind heute unüblich, denn sie erhöhen das Risiko einer intramuskulären Injektion. Mit 4- bis 5-mm-Kanülen können Patienten, auch adipöse, sicher subkutan injizieren, ohne eine Hautfalte zu bilden. Ab 5 mm Länge sollte man eine Hautfalte bilden, so Kirchers Rat. Versehentliche intramuskuläre Injektionen seien ein häufiger Grund für schwankende Blutzuckerwerte.

Wohin mit dem Insulin-Vorrat? Am besten ins Gemüsefach des Kühlschranks. »Aber nicht bei ganz modernen Kühlschränken, denn da ist das Gemüsefach sehr kalt«, warnte der Kollege. Und die Patronen keinesfalls in der Nähe des Gefrierfachs lagern. »Einfrieren ist der worst case; dann muss man das Insulin immer verwerfen.« Angebrochene Packungen sind bei Raumtemperatur und Lichtschutz für vier bis sechs Wochen stabil.

Transmukosal, wenns schnell gehen muss

Sollen Arzneistoffe sehr schnell wirken, bieten transmukosale Arzneiformen eine Option, zeigte Bauer am Beispiel von Atemnot-Attacken und Schmerzspitzen bei Palliativpatienten. Bauer empfahl, in der Beratung nicht von Durchbruchschmerzen zu sprechen. »Patienten bekommen Angst, weil sie meinen, dass der Tumor durchbricht.«

Für beide Indikationen werden Opioide eingesetzt, zur Linderung von Atemnot aber off Label. Das Opioid soll schnell wirken. um Atemnot oder Schmerzen möglichst rasch zu lindern. Man müsse weder eine klinisch relevante Atemdepression noch einen Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut befürchten, erklärte der Apotheker. »Ideal ist eine Applikation ohne Wasser; zudem muss sie für Menschen mit Xerostomie oder Schluckbeschwerden möglich sein.« Dafür gibt es diverse transmukosale Arzneiformen.

Zu beachten bei der Fentanyl-Sublingualtablette (Abstral®): nicht durch den Blister drücken, sondern Blister falten und die Folie abziehen und dann die Tablette unter die Zunge legen. Bei starker Mundtrockenheit kann man die Mundschleimhaut vorher befeuchten. »Nicht kauen, lutschen oder verschlucken, denn der Wirkstoff muss unter Zunge resorbiert werden, um den First-pass-Metabolismus zu umgehen«, informierte der Apotheker. Nicht auf Vorrat ausblistern, denn die gefriergetrocknete Arzneiform zieht die Umgebungsfeuchtigkeit stark an. Die Tabletten mit 100 bis 800 µg Wirkstoff unterscheiden sich in der Formgebung, die Arzneimittelpackungen zusätzlich im Farbschema (die Tabletten sind alle weiß).

Das Opioid Fentanyl steht auch als Nasenspray zur Verfügung (Pecfent®). Nach Applikation (gegen die Nasenwurzel sprühen) bildet sich in-situ ein Gel, da das enthaltene Pektin mit Calcium-Ionen in der Nase geliert. Man müsse mit dem Patienten üben, wie man die Verpackung öffnet und das Spray aktiviert. Das Nasenspray Instanyl® wird durch Sprühen in ein Taschentuch aktiviert. Es ist nicht zugelassen für Opioid-naive Patienten, sondern nur bei Opioid-Dauertherapie.

Schnell freisetzendes Fentanyl gibt es zudem als „Lollipop“ (Actiq®), eine gepresste Pulvermatrixtablette auf einem Stiel mit Applikator, und als Bukkaltablette (Effentora®). Der Lollipop wird nicht gelutscht, sondern an der Wangeninnenseite auf und ab bewegt, bis sich die Arzneiform auflöst. Dies dauert etwa 15 Minuten. Die Bukkaltablette wird in die Wange oder unter die Zunge gelegt. »Damit die Brausereaktion abläuft, ist Feuchtigkeit nötig.« Das Auflösen dauere mindestens 15 Minuten. Nach 30 Minuten solle man die Arzneiform verschlucken.

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