| Melanie Höhn |
| 30.04.2026 15:00 Uhr |
Purdue Pharma räumte ein, Ärzten Schmiergelder gezahlt zu haben, um den Absatz von Oxycontin anzukurbeln. / © Imago Images/imagebroker
Der Hersteller Purdue Pharma des süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin wurde am Dienstag zu einer Geldstrafe von 5,5 Milliarden US-Dollar verurteilt. Das Unternehmen soll staatliche Aufsichtsbehörden getäuscht und Ärzte bestochen haben, um seinen Opioidabsatz zu steigern, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Das Urteil vor einem Bundesgericht in New Jersey ebne nun den Weg für die Auflösung des Unternehmens im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Dieses Verfahren neige sich nach über sechs Jahren vor Gericht und einer langen Reihe von Berufungen, die bis zum Obersten Gerichtshof der USA gingen, dem Ende zu. Die Urteilsverkündung sei eine der letzten Hürden gewesen, bevor die Einigung im Insolvenzverfahren vollzogen werden kann, so Reuters.
Die Vermögenswerte des Unternehmens sollen zur Finanzierung eines Vergleichs in Höhe von 7,4 Milliarden US-Dollar verwendet werden, der den Opfern der Opioidkrise als Entschädigung dienen soll.
Im Rahmen der Vereinbarung wird der Großteil der 5,5 Milliarden Dollar Strafe nicht gezahlt. Das Justizministerium erhält lediglich 225 Millionen Dollar, sofern Purdue Pharma seine verbleibenden Vermögenswerte zur Tilgung seiner Schulden verwendet. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bundesstaaten und Kommunen, die die Kosten und Folgen der Opioidkrise in ihren Gemeinden tragen mussten.
Purdue erklärte, weiterhin auf Kurs zu sein, das Insolvenzverfahren am 1. Mai abzuschließen, den bisherigen Geschäftsbetrieb einzustellen und als neues gemeinnütziges Unternehmen weiterzubestehen, das Medikamente zur Behandlung von Opioidabhängigkeit und zur Aufhebung von Überdosierungen herstellen wird.
Im Rahmen der Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft räumte Purdue ein, Ärzten Schmiergelder gezahlt zu haben, um den Absatz von Oxycontin anzukurbeln und Bundesbehörden über seine Bemühungen zur Verhinderung des illegalen Drogenkonsums getäuscht zu haben.
Das Unternehmen hatte sich zuvor wegen irreführender Kennzeichnung und Betrugs im Zusammenhang mit der Vermarktung von Oxycontin im Jahr 2007 schuldig bekannt und zugegeben, Oxycontin fälschlicherweise als weniger süchtig machend, weniger missbrauchsanfällig und mit geringerer Wahrscheinlichkeit Entzugserscheinungen verursachend als konkurrierende Schmerzmittel vermarktet zu haben.
Bevor die US-Bezirksrichterin Madeline Cox Arleo in Newark die Vereinbarung zur Strafmilderung am Dienstag annahm, hörte sie fast sieben Stunden lang Zeugenaussagen von Menschen an, die die Rolle des Unternehmens bei der Verschärfung der Opioidkrise in den Vereinigten Staaten anprangern wollten. Über 200 Opfer schickten Briefe mit persönlichen Geschichten über Sucht und Verlust an das Gericht, und mehr als 40 sagten im Gerichtssaal aus, wie Reuters weiter berichtet.
Arleo wies den Purdue-Vorsitzenden Steve Miller an, sich im Gerichtsgebäude direkt bei den Opfern zu entschuldigen. Dies tat er und erklärte, das Unternehmen bedauere das vergangene Fehlverhalten zutiefst und übernehme die Verantwortung dafür.
»Wir entschuldigen uns zutiefst für all das, was geschehen ist und von den Opfern heute hier so eindrücklich geschildert wurde«, sagte Miller. Anschließend entschuldigte sich auch Arleo. Sie erklärte, die Regierung habe mehrere Gelegenheiten verpasst, Purdue daran zu hindern, Ärzte und Patienten über das Suchtpotenzial von Oxycontin zu täuschen.