| Daniela Hüttemann |
| 22.06.2026 10:30 Uhr |
Wer gut über seine Therapie Bescheid weiß, kommt besser damit klar und setzt sie konsequenter um, so die Idee der Psychoedukation. / © Getty Images/Aleksandr_Gromov
Laut der Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression sollen Menschen mit psychischen Erkrankungen zu ihrer Erkrankung und Therapie beraten und begleitet werden. Psychoedukation meine dabei nicht nur eine Vermittlung von Informationen, sondern umfasse ein breites Spektrum, heißt es dort: von Informationen zur Erkrankung und den Behandlungsmöglichkeiten bis hin zur Vermittlung von Hilfen bei der Krankheitsbewältigung.
Als Anbieter werden hier neben Hausärzten, sozialpsychiatrischen Diensten, Beratungsstellen und Selbsthilfeangeboten auch die Apotheken genannt – und umgekehrt: Im Kapitel zur apothekerischen Versorgung taucht die Psychoedukation sogar noch vor dem Medikamentenmanagement, der Adhärenzförderung und der Beratung auf. In der Begründung heißt es: »Apotheken sind gut erreichbar und werden von den Patient*innen häufig aufgesucht.« Und auch für Stationsapotheker wird die Psychoedukation als Aufgabe aufgelistet.
Das hat man sich in der Apotheke des Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique in Ettelbrück, Luxemburg, zu Herzen genommen. Dort wurde ein sechswöchiges Psychoedukations-Programm begleitend zur Therapie mit Antidepressiva entwickelt und hinsichtlich der Patientenakzeptanz über zwei Jahre evaluiert. Die Ergebnisse stellte Apotheker David Meyrath beim diesjährigen ADKA-Kongress in Düsseldorf bei einem Kurzvortrag und als Poster vor.
Erarbeitet wurden sechs Module à 60 Minuten, die im Abstand von jeweils einer Woche im Reha-Setting von einem Apotheker durchgeführt wurden. Es nahmen jeweils sechs bis zehn Patienten mit Depressionen teil. Im ersten Modul gab es eine allgemeine Einführung zum Thema Arzneimittel, dann wurde die Wirkweise von Antidepressiva besprochen, gefolgt von den Themen mögliche Nebenwirkungen, Behandlungsdauer und Abhängigkeitspotenzial. In den beiden letzten Modulen ging es darum, wie die Patienten selbst Informationen zu Arzneimitteln finden und bewerten können, sowie um Wunschthemen der Patienten.
Die Teilnahme an der Evaluation erfolgte freiwillig und anonym. 91 Teilnehmende aus elf Gruppen gaben ihr Feedback. 88 Prozent empfanden das Programm als hilfreich. Es habe ausreichend Gelegenheit für individuelle Fragen gegeben. »Besonders gut kamen die Module zu Wirkweise und unerwünschten Effekten von Antidepressiva an«, berichtete Meyrath. Es wurden sogar noch Informationen zu weiteren Arzneimittelklassen, die häufig als Komedikation vorkommen, gewünscht, wie Stabilizer und Antipsychotika.
Ob das Psychoedukations-Programm konkrete Auswirkungen auf die Therapieadhärenz hat, wurde bislang noch nicht untersucht. »Die hohe Akzeptanz deutet aber auf eine aktuelle Versorgungslücke in diesem Bereich hin«, ist Meyrath überzeugt. Es stehe zwar in der Leitlinie, werde aber bislang noch kaum durchgeführt. Man habe gemerkt, dass die Patienten zum Teil offener für ihre Therapie wurden. »Wir konnten einige Vorbehalte abbauen«, ist sich der Apotheker sicher.
In Ettelbrück will man das Programm beibehalten und weiter an die Bedürfnisse der Patienten anpassen. Es soll noch interaktiver und spielerischer werden, auch angesichts der zum Teil aufgrund der Erkrankung eingeschränkten Aufmerksamkeitsspanne der Patienten. Eine Ausweitung auf weitere Patientenkollektive wie solche mit Suchterkrankungen oder Psychosen sei ebenfalls denkbar. Drei weitere Stationen hätten schon angefragt, ob die Apotheke hier nicht etwas anbieten könne, auch für die Patienten der Tagesklinik.
Es gebe einfach noch zu wenige Psychoedukations-Angebote in Bezug auf Arzneimittel, findet Meyrath. »Und keiner kennt sich so gut damit aus wie wir Apothekerinnen und Apotheker.«