| Laura Rudolph |
| 07.05.2026 11:00 Uhr |
Psilocybin ist das Psychedelikum aus Magic Mushrooms. Es wirkt agonistisch am 5HT2A-Serotoninrezeptor und kann einen Rauschzustand bei vollem Bewusstsein auslösen. / © Getty Images/Yarphoto
Eine einmalige hohe Dosis des Psychedelikums Psilocybin kann kurzfristig die Signalvielfalt der Gehirnströme deutlich erhöhen – und noch einen Monat später das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dies ist das Ergebnis einer placebokontrollierten Studie von Forschenden um Dr. Taylor Lyons vom Imperial College in London, das kürzlich im Fachjournal »Nature Communications« publiziert wurde. Bereits vor vier Jahren hatten Forschende dieser Universität untersucht, durch welche Mechanismen das Psychedelikum gegen Depressionen wirkt.
An der aktuellen Studie nahmen 28 gesunde Erwachsene teil, die zuvor noch keinerlei Erfahrungen mit Psychedelika gemacht hatten. In einem verblindeten Cross-over-Design erhielten sie zuerst eine sehr niedrige Dosis von 1 mg Psilocybin, die als Placebo gewertet wurde, und einen Monat später eine hohe Einzeldosis von 25 mg.
In beiden Versuchsdurchläufen analysierten die Forschenden die elektrische Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalografie (EEG) vor und ein bis zwei Stunden nach der Einnahme. Einen Monat danach untersuchten sie mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT), wie verschiedene Hirnregionen miteinander kommunizieren. Zusätzlich bestimmten sie die Struktur der weißen Substanz per Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI), einem speziellen MRT-Verfahren. Standardisierte Fragebögen und Verhaltenstests lieferten außerdem Daten zu Wohlbefinden, Denkflexibilität und zur Fähigkeit, eigene Gedanken und Verhaltensmuster klarer zu erkennen (»psychologische Einsicht«, oft verbunden mit Aha‑Erlebnissen).
Die gemessenen Effekte waren klar dosisabhängig: Nach der Einnahme von 1 mg Psilocybin veränderten sich weder die Aktivität des Gehirns noch das Erleben der Probanden signifikant. Dagegen beeinflusste die 25‑mg‑Dosis diese Parameter deutlich.
Bereits wenige Stunden nach der Einnahme der hohen Dosis zeigte das EEG eine stark erhöhte Signalvielfalt (Entropie) im Gehirn – die Ströme wurden unvorhersehbarer und flexibler. Dieser Zustand gilt als typischer Marker psychedelischer Effekte. Gleichzeitig nahm die Aktivität der sogenannten α‑Wellen ab, die sonst vor allem bei entspanntem Wachsein dominieren. Dies deutet darauf hin, dass die Nervenzellen in dieser akuten Phase aktiver und besser vernetzt waren.
Einen Monat nach der Einnahme berichteten die Teilnehmenden über ein besseres Wohlbefinden und mehr psychologische Einsicht. Dabei gab es einen deutlichen Zusammenhang: Je stärker die EEG-Veränderungen im Gehirn während der akuten Phase gewesen waren, desto deutlicher verbesserten sich Wohlbefinden und Einsicht im weiteren Verlauf. »Psilocybin scheint festgefahrene Muster der Gehirnaktivität aufzulockern und Menschen die Möglichkeit zu geben, tief verankerte Denkmuster zu überdenken«, erklärt der Erstautor in einer Pressemitteilung. »Dass diese Veränderungen mit mehr Einsicht und verbessertem Wohlbefinden einhergehen, ist besonders spannend.«
Die Hirnscans (DTI‑Messungen) nach einem Monat zeigten Veränderungen in Faserbahnen, die den präfrontalen Cortex (zuständig unter anderem für Planung, Selbstkontrolle und Entscheidungen) mit tiefer gelegenen Hirnregionen verbinden, die unter anderem Emotionen und Motivation steuern. Die gemessenen Werte deuten auf eine gewisse Neuroplastizität hin, also dass sich die Neuronennetzwerke leicht umgebaut haben könnten. Allerdings betonen die Autoren, dass sich aus den Messwerten nicht eindeutig ableiten lässt, welche konkreten strukturellen Veränderungen im Gehirn stattgefunden haben.