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5-α-Reduktasehemmer
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Prostata-Medikamente bei Herzinfarkt vorteilhaft

Bei Männern richtet ein Herzinfarkt oft größeren Schaden an als bei Frauen. Eine Registerstudie aus Schweden zeigt, dass Androgenmodulatoren, die bei benigner Prostatahyperplasie eingesetzt werden, das Risiko für schwere Herzinfarkt-Komplikationen bei Männern senken.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 08.09.2026  11:30 Uhr

Im Fall eines Herzinfarkts sind bei Männern oft größere Areale des Herzmuskels betroffen als bei Frauen. Womöglich spielen dabei männliche Geschlechtshormone (Androgene) eine Rolle, wie Versuche mit Mäusen nahelegen. Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Team um Dr. Hannah Colldén, Apothekerin und Forscherin an der Sahlgrenska-Akademie an der Universität Göteborg in Schweden, ob die Anwendung von 5-α-Reduktasehemmern (5αRI) wie Finasterid oder Dutasterid oder von Medikamenten zur Androgendeprivationstherapie (ADT) einen Einfluss auf die Outcomes von Herzinfarkt-Patienten hat. Die Ergebnisse sind im Fachjournal »JAMA Network Open« publiziert.

Während eine ADT die Androgenwirkung komplett aufhebt, verhindern 5αRI die Umwandlung von Testosteron in das stärker wirksame Dihydrotestosteron und reduzieren so die Androgenwirkung in Geweben. Sie werden bei benigner Prostatahyperplasie und bei androgenetischer Alopezie eingesetzt, wobei nicht jeder Wirkstoff in allen Indikationen zugelassen ist. In Schweden sei zwischen 2020 und 2024 jeder zehnte Mann im Alter zwischen 70 und 79 Jahren mit einem 5αRI behandelt worden, schreiben die Autoren. Mittel zur ADT wie GnRH-Analoga oder GnRH-Antagonisten werden dagegen bei Prostatakrebs angewendet.

Das Team untersuchte, wie sich die Anwendung solcher Medikamente auf die Folgen eines Herzinfarkts (ST-Hebungsinfarkte, STEMI) auswirkte. Dazu wurden im Rahmen einer landesweiten Registerstudie Männer im Alter zwischen 35 und 84 Jahren, die wegen eines erstmaligen STEMI mit einem Ballonkatheter behandelt werden mussten, identifiziert. Unter ihnen waren 1305 5αRI-Anwender, die mit 6463 gematchten Nicht-Anwendern verglichen wurden, sowie 358 Männer unter einer ADT, die mit 1774 Kontrollen verglichen wurden.

Weniger Komplikationen mit 5αRI

Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus der Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach dem Infarkt und schweren Komplikationen wie Herzstillstand, AV-Block, Vorhofflimmern oder -flattern sowie schwerer Beeinträchtigung der linksventrikulären Funktion. Solche Komplikationen waren unter 5αRI seltener als in der entsprechenden Kontrollgruppe (20,8 versus 24,3 Prozent, Risikoreduktion um 3,5 Prozentpunkte). Dagegen ging die Anwendung einer ADT nicht mit einem reduzierten Risiko einher.

Dass sich eine Androgenmodulation, nicht jedoch eine -deprivation auf die Schwere eines Herzinfarkts auszuwirken scheint, ist ein auf den ersten Blick widersprüchliches Ergebnis, das weitere Forschung zur Rolle von Androgenen beim akuten Herzinfarkt notwendig macht. »Dieses Ergebnis leistet einen Beitrag zur spannenden Forschung darüber, wie Geschlechtshormone das Herz, etwa bei einem Herzinfarkt, beeinflussen können. Es hat zurzeit allerdings keine Auswirkung auf Behandlungsempfehlungen«, fasst Colldén in einer Pressemitteilung zusammen.

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