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Apothekerverband Nordrhein

Preis: Apotheker wurden spät über Impfnachweise informiert

Schon in wenigen Tagen sollen Apotheker in der Lage sein, digitale Impfnachweise zu erzeugen. Auf der gestrigen Mitgliederversammlung des Apothekerverbandes Nordrhein bemängelte der Verbandsvorsitzende Thomas Preis, dass die Pharmazeuten spät über die Impfnachweise informiert worden seien. Er sei sich aber sicher, dass die Apotheker auch diese Aufgabe meistern werden.
Kerstin Pohl
10.06.2021  09:00 Uhr

Ab nächstem Montag stehen die Apotheker vor einer erneuten Herausforderung: der Digitalisierung der Impfpässe. »Das kam überfallartig und wir Apotheker müssen uns damit auseinandersetzen«, so der Verbandschef. Die Meldung kam erst tags zuvor vom Deutschen Apothekerverband, Preis wünscht sich mehr Vorbereitung seitens der ABDA. Die Apotheker würden damit der Politik mal wieder unter die Arme greifen, sagte Preis. »Am Montag sind wir die ersten, die es machen werden, alle anderen werden es noch nicht machen«.

Für die Digitalisierung des Impfpasses sollen die Apotheker 18 Euro erhalten. Diese Summe sei nicht überbezahlt, so Preis. Die Daten werden »just in time« übertragen, dazu müssen nur wenige Daten elektronisch erfasst werden. Trotzdem sei dies ein Mehraufwand für die Apotheker. Ein händisches Ausfüllen des Impfpasses ist auch möglich, sei aber deutlich zeit- und auch personalaufwändiger.

Szenario wiederholt sich

Preis kritisierte, dass die Digitalisierung des Impfpasses genau das gleiche Szenario wie bei der Maskenausgabe und den Bürgertests wiedergebe. Die Apotheker wurden auch in diesen beiden Fällen sehr spät informiert, haben aber trotzdem schnell und effizient reagiert, eine entsprechende Versorgungsstruktur aufgebaut und die Bevölkerung flächendeckend versorgt.

Der Verbandsvorsitzende betonte, wie wichtig der Einsatz von qualifiziertem Personal gerade bei den Bürgertests sei. Apotheken und Arztpraxen seien die richtigen Anlaufstellen für solche Tests, da diagnostische Bürgertests nicht in die Hände von Laien gehören. Wenn ein Coronavirus-Test positiv sei, bedürfe das einer heilberuflichen Beratung mit einem entsprechend qualifizierten Hintergrund, so Preis.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Versorgung mit Corona-Impfstoffen. Diese sei unterbezahlt, sagte Preis. Das Problem sei ein unterfinanzierter Beitrag, da Apotheker viel zu kleinteilig bestellen müssten. Diese minimalsten Bestellmengen müssten dazu noch weitergegeben und verteilt werden. Preis‘ Kritik richtet sich vor allem an die Politik: »Die hätte da viel besser reagieren müssen und zum Beispiel angesichts der immer noch andauernden Impfknappheit nicht auch noch die impfenden Betriebsärzte mit einbinden sollen. Dadurch wird es noch kleinteiliger und unübersichtlicher und letztendlich werden die Hausärzte noch schlechter mit Impfstoffen versorgt als Betriebsärzte.«

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