| Lukas Brockfeld |
| 29.03.2026 16:42 Uhr |
Nojan Nejatian hielt einen Vortrag beim PZ-Management-Kongress. / © PZ/Alois Mueller
Das Gesundheitswesen steht durch den demografischen Wandel unter wachsendem Druck. Die Apotheken können daher mehr Verantwortung übernehmen, damit die Gesundheitsversorgung der Menschen auch in Zukunft auf einem hohen Niveau erfolgt. Wie das aussehen kann, erklärte Nojan Nejatian, Leiter der Heegbach Apotheke & Sanitätshaus in Erzhausen, beim PZ-Management-Kongress.
In seinem Vortrag betonte Nejatian, dass Apotheken ein für alle Bevölkerungsgruppen wichtiger Ort der Begegnung seien. »Sind wir nur eine Abgabestelle? Ich bin der Überzeugung, dass wir viel mehr sind. Wir sind die Stelle, die alles miteinander verbinden kann. Wir sind die Stelle, bei der Ärzte und Pflegekräfte nachfragen und wir sind die Stelle, in der es selbst nachts Beratung gibt«, so der Apotheker. Für ihn sei es daher wichtig, mit verschiedenen Partnern in seiner Gemeinde Erzhausen zusammenzuarbeiten.
Nejatian berichtete, wie sich im Laufe der Corona-Pandemie eine enge Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitseinrichtungen in Erzhausen entwickelte. Inzwischen sei seine Apotheke als Versorgungsakteur im regionalen Gesundheits- und Pflegenetzwerk integriert und arbeite dort eng mit ärztlichen Praxen, Pflegeeinrichtungen, sozialen Trägern und kommunalen Akteuren zusammen.
Diese strukturierte interprofessionelle Zusammenarbeit habe die Versorgung der Patienten verbessert und die Rolle seiner Apotheke gestärkt. »Wir sind der Pflegestützpunkt in unserer Gemeinde. Denn Pflege geht nur mit der Apotheke. Wenn die Apotheke vor Ort nicht mehr vorhanden wäre, könnte die Pflege nicht mehr ihr volles Potenzial ausschöpfen«, sagte der Apotheker. Auch in anderen Bereichen, wie der Versorgung psychisch kranker Menschen, seien die Apotheken dafür prädestiniert, die Patienten stärker zu unterstützen.
»Ohne die Apotheke wird es keine Gesundheitsversorgung der Zukunft geben«, lautete Nejatians Fazit. »Wir sind auch Gesundheitsmanager und Ökonomen, weil wir für die Patienten mit maximaler Empathie da sind.«
In einem weiteren Vortrag setzte sich Steffen Kuhnert, Apotheker und Gründer sowie Geschäftsführer der Online-Beratung »Frag die Apotheke«, mit dem Problem der vermeidbaren Retaxationen auseinander. »Retaxation ist Alltag, es ist kein Randthema, sondern betrifft uns alle«, sagte Kuhnert.
Steffen Kuhnert beim PZ-Managementkongress. / © PZ/Alois Mueller
Hochpreisige Arzneimittel seien besonders oft von Retaxationen betroffen und spielten gleichzeitig eine wachsende Rolle in der Versorgung. »In den vergnagenen fünf Jahren ging die Zahl der abgegebenen Hochpreiser stetig nach oben, immer mehr Apotheken geben Hochpreiser ab. Im Durchschnitt werden Arzneimittel immer teurer«, erklärte der Apotheker.
Kuhnert verwies auf Zahlen von Noventi, wonach die durchschnittliche Apotheke 0,08 Prozent des monatlichen Bruttoumsatzes, beziehungsweise 264 Euro, durch Retaxationen verliere. »Das klingt vielleicht nach nicht viel. Doch wir regen uns oft über deutlich geringere Kosten auf. Monat für Monat, kummuliert über Jahre, kommen da größere Beträge zusammen. Und gerade weil es Durchschnittsbeträge sind, sind viele Apotheker auch schlechter aufgestellt«, erklärte der Apotheker.
Im Anschluss stellte Kuhnert ausführlich das Tool »Scan Dialog« von Noventi vor. Das Programm soll mit einer automatischen Rezeptkontrolle mehr als 50 Prozent der Retaxationen verhindern.
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