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Herzenssache
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Prävention schenkt Lebensjahre

Die aktualisierte europäische Leitlinie zur kardiovaskulären Prävention empfiehlt einen individualisierten und praxisnahen Ansatz. Die gesteckten Ziele sollen die Patienten nicht überfordern und die Adhärenz verbessern.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 27.03.2022  08:00 Uhr

Tabakkonsum meiden

Das kardiovaskuläre Risiko ist bei Rauchern unter 50 Jahren fünffach höher als bei Nichtrauchern (1, 11). Während der Pandemie ist die Zahl der Raucher jedoch wieder gestiegen, wie die repräsentative Langzeitstudie Debra (Deutsche Befragung zum Rauchverhalten) zeigt. So rauchten Ende 2019 rund 27 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren; Ende 2020 etwa 27,5 Prozent und Ende 2021 waren es 31 Prozent (12).

Das Rauchen aufzugeben, lohnt sich immer. Selbst bei starken Rauchern (20 und mehr Zigaretten/Tag) senkt ein Rauchstopp das kardiovaskuläre Risiko innerhalb von fünf Jahren (1). Zu den evidenzbasierten medikamentösen Interventionen gehören die Nikotinersatztherapien (NET) sowie die Arzneistoffe Bupropion, Vareniclin und Cytisin. Kombinationen aus schnellfreisetzenden Nikotinersatzprodukten und -pflastern sowie 4 mg Nikotinkaugummi im Gegensatz zu 2 mg können den Erfolg steigern (13).

Der Nikotinrezeptor-Partialagonist Vareniclin in der Dosis von 1 mg zweimal täglich verbessert einem Review zufolge langfristig die Aufhörraten im Vergleich zu Placebo und sei erfolgreicher als eine NET oder Bupropion (14). Positive Daten zu Effekten auf kardiovaskuläre Endpunkte liegen jedoch nicht vor. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Vareniclin und neuropsychiatrischen unerwünschten Ereignissen ist unwahrscheinlich (15). Doch gilt hier nicht, viel hilft viel: Eine Therapie mit Vareniclin über 24 statt der üblichen zwölf Wochen erhöht einer aktuellen Studie zufolge ebenso wenig die Erfolgsquote wie eine Kombination mit Nikotinpflastern im Vergleich zu einer Vareniclin-Monotherapie (16).

Cytisin, ein Alkaloid des Goldregens, soll das Verlangen nach Nikotin reduzieren. Es ist seit Dezember 2020 in Deutschland verfügbar (1,5 mg Tabletten). Studien zeigen, dass der Wirkstoff bei der Raucherentwöhnung unterstützen könnte, belastbare Evidenz liegt aber nicht vor (14).

Einige Raucher steigen auf elektronische Zigaretten (E-Zigaretten) um. Diese simulieren brennbare Zigaretten, indem sie Nikotin und andere Chemikalien zu Dampf erhitzen. E-Zigaretten liefern Nikotin, aber weniger andere Tabakchemikalien, weshalb sie als weniger gefährlich als Tabak gelten können. Die Langzeitwirkungen sind unklar (17–20). Als Mittel zur Raucherentwöhnung werden E-Zigaretten nicht empfohlen.

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