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Genetische Risikofaktoren

Prädisposition für schwere Covid-19-Verläufe

Erstmals deuten sich genetische Risiken für schwere Covid-19-Verläufe an. Damit wird die Liste bestimmter Grunderkrankungen als Risikofaktoren um genetische Faktoren erweitert. Dies kann weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, zumal es sich hierbei nicht nur um seltene genetische Konstellationen handelt.
Theo Dingermann
05.06.2020  13:42 Uhr

Nach wie vor tappt die Fachwelt weitestgehend im Dunkeln, wenn es um die Frage geht, warum einige Menschen nahezu symptomfrei eine SARS-CoV-2-Infektion überstehen, während andere lebensgefährlich an Covid-19 erkranken beziehungsweise die Krankheit nicht überleben. Klar ist, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig steigt. Auch verschiedene Grunderkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber, der Niere, Krebs oder Faktoren wie Adipositas und Rauchen scheinen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen. Zudem scheint das Risiko zu steigen, wenn mehrere Grunderkrankungen vorliegen (Multimorbidität).

Unklar ist bisher, ob es generell genetische Risiken für einen schweren Covid-19 Krankheitsverlauf gibt. Auf diese spannende Frage deuten sich jetzt erste Antworten an. Auf den Preprintserver »MedRxiv« erschien eine Arbeit von Forschern um Professor Dr. Andre Franke vom Institut für klinische Molekularbiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (DOI: 10.1101/2020.05.31.20114991). Franke ist Mitglied eines internationalen Forscherkonsortiums mit dem Namen »Covid-19 Host Genetics Initiative«. Hier sammeln Forscher aus 46 Ländern DNA-Proben von Covid-19-Patienten, um nach genetischen Auffälligkeiten zu suchen. Das Konsortium beginnt nun damit, nach und nach die erarbeiteten Daten auf der Website der Initiative für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

Zwei genetische Loci zeigen Auffälligkeiten

In der zitierten Publikation präsentieren die Wissenschaftler erste Daten, die starke statistische Assoziationen zwischen genetischen Variationen an zwei Genompositionen und schweren Covid-19-Verläufen anzudeuten scheinen. Dazu hatten sie die Daten von 1980 Patienten aus sieben Zentren in den italienischen und spanischen Epizentren der SARS-CoV-2-Pandemie in Europa ausgewertet. Nach Bereinigung der Daten wurden schließlich 835 Patienten und 1255 Kontrollpersonen aus Italien sowie 775 Patienten und 950 Kontrollpersonen aus Spanien in die abschließende Analyse einbezogen. Die genomischen DNAs wurden nicht sequenziert. Vielmehr basieren die Analysen auf Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs). Insgesamt wurden 8.582.968 SNPs analysiert.

Zwei SNPs (rs11385942 und rs657152) fielen auf. Der erste Einzelnukleotid-Polymorphismus befindet sich auf Chromosom 3 (3p21.31) und der zweite auf Chromosom 9 (9q34). Von den sechs Genen, die an der Position 3p21.31 lokalisiert sind, kodiert das Gen mit dem Kürzel SLC6A20 für einen bekannten Interaktionspartner des Angiotensin-Converting-Enzyms 2 (ACE2). Das Assoziationssignal bei 9q34 wurde am genetischen Lokus für das AB0-Blutgruppen-Gen lokalisiert.

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