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Coronavirus-Pandemie

Pharmazeutische Großhändler im Krisenmodus

Viele Apotheken werden derzeit nur eingeschränkt von ihren Großhändlern beliefert. Warum ist das so und was empfehlen die pharmazeutischen Großhandlungen ihren Kunden in puncto Bestellverhalten? Die PZ fragte nach.
Brigitte M. Gensthaler
Christina Müller
20.03.2020  12:08 Uhr

Nicht nur für die Offizinen, sondern auch für die pharmazeutischen Großhändler stellt die grassierende Coronavirus-Pandemie eine Herausforderung dar. Eingeschränkte Lieferungen sind die Folge. Auf Anfrage der PZ äußern sich jetzt die Großhandlungen zu ihrer aktuellen Situation und geben Tipps, wie die Apotheken dazu beitragen können, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

So banal es klingt: Die Großhandlungen bitten nachdrücklich darum, bei Erhalt einer Lieferung dem Fahrer die leeren Wannen wieder mitzugeben – denn diese werden benötigt, um andere Apotheken beliefern zu können. Auch  Retouren nehmen viele Großhändler derzeit nur bedingt an. »Jede vermiedene Retoure beschleunigt die Abwicklung Ihrer eingehenden Bestellungen«, schreibt etwa die Gehe in einem Fax an ihre Kunden. Ausgenommen davon sind bei den meisten Unternehmen sogenannte Mängelrügen.

Verbundlieferungen müssen die meisten Großhändler aus gegebenem Anlass einschränken. Zudem kann es nach Angabe mehrerer Unternehmen vorkommen, dass die Auslieferung von Randsortimenten wie Kosmetika nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet ist. Alle angefragten Firmen – dazu zählen Noweda, Gehe, Alliance Healthcare, Phoenix, Sanacorp und Kehr – weisen darauf hin, dass es aufgrund des hohen Auftragsvolumens zu Verspätungen kommen kann. Oftmals ist auch die telefonische Erreichbarkeit des Kundenservice nicht wie in gewohntem Maß gegeben. Denn: »Unser Außendienst und auch unser Customer Service unterstützt aktuell die Auftragsabwicklung in den Niederlassungen und ist daher nur eingeschränkt erreichbar«, informiert zum Beispiel Alliance Healthcare.

Die Coronavirus-Pandemie bereitet den Großhändlern enorme Schwierigkeiten. »Ebenso wie Ihre Apotheke trägt Noweda bei der Bewältigung dieser Herausforderung als Unternehmen der kritischen Infrastruktur eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln«, lässt die Apothekergenossenschaft auf Nachfrage der PZ wissen. »Dieser Verantwortung können wir angesichts der erheblichen Belastungen, die die Corona-Krise insbesondere aufgrund des anhaltenden exorbitanten Anstiegs der Bestellungen bereits jetzt für unsere Betriebe mit sich bringt, nur gerecht werden, wenn wir Prioritäten und Abläufe in dieser Ausnahmesituation anpassen.«

Trotz diverser Maßnahmen stimmt auch die Phoenix ihre Kunden auf Lieferverzögerungen ein. Die Nachfrage, verbunden mit einer Tendenz zur Bevorratung in der Apotheke, sei stark gestiegen. Dadurch sei der Warenaustausch zwischen den Vertriebszentren so erschwert, dass dieser Service temporär eingestellt werde. »Das nachgefragte Volumen von Medikamenten und Apothekenprodukten liegt momentan rund 25 Prozent über dem Volumen vor Ausbruch von Corona«, teilt ein Unternehmenssprecher der PZ mit. Phoenix informierte seine Kunden bereits, dass die Anzahl der Wannen zur Reduktion der Transportvolumina gesenkt und Retouren nur noch eingeschränkt angenommen und erstattet werden. Die Kunden sollten nur noch in dringenden Fällen beim Servicecenter anrufen.

Die Sanacorp hat ihre Kunden bereits darauf hingewiesen, dass diese Krisensituation kurzfristige Reaktionen verlange. Alle Mitarbeiter arbeiteten konzentriert und engagiert, um eine möglichst hohe Warenverfügbarkeit und die bestehenden Liefertouren aufrecht zu erhalten, verspricht das Unternehmen. Sanacorp ruft seine Kunden dringend dazu auf, die Bestellfenster voll auszunutzen, nur zwingend nötige Artikel zu retournieren und Anfragen auf das Mindestmaß zu reduzieren. Und verspricht: »Über eine Änderung der Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln, Masken und ähnlich schwer verfügbaren Artikeln werden wir Sie umgehend separat informieren.«

Noch keine Einschränkungen bei der Auslieferung gibt es nach Unternehmensangaben bei der Richard Kehr Pharmagroßhandlung . »Aber wir haben eine große Anzahl an Medikamenten – circa 4000 – kontingentiert, um unseren Versorgungsauftrag nachzukommen« , teilt eine Sprecherin des Privatunternehmens mit. »Die Lieferfrequenz hat sich noch nicht geändert.« Über das Vorgehen entscheide jede Niederlassung selbst. Man habe noch keine Handlungsempfehlungen für Bestellmodalitäten an die Apotheken herausgegeben. 

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