| Lukas Brockfeld |
| 18.09.2026 13:45 Uhr |
Die Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, Dorothee Brakmann, warnt vor weiteren Sparmaßnahmen. / © Svea Pietschmann
Die von Nina Warken (CDU) einberufene Finanzkommission Gesundheit hat in den vergangenen Monaten die Grundlage für das umstrittene GKV-Spargesetz erarbeitet. Doch das Gesundheitssystem steht noch immer unter gewaltigem finanziellem Druck. Am Donnerstag kam das Expertengremium daher zu einem Fachgespräch zusammen, um über die »Effizienz in der Arzneimittelvergütung« zu diskutieren. Die Pharmaverbände warnen jedoch vor möglichen Sparversuchen.
Pharma Deutschland schreibt in einer Pressemitteilung, dass neue Preisverfahren eine Gefahr für Versorgung und Innovation wären, ohne die strukturellen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung zu lösen. »Wer Arzneimittel immer wieder anlasslos zur Preisverhandlung stellt und ihren Wert nur in Kosten misst, verlässt den bewährten Pfad der patientenorientierten Nutzenbewertung«, erklärt die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Dorothee Brakmann.
Der Verband weist darauf hin, dass das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) bereits heute kein statisches System ist. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Indikationserweiterungen, befristete Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses oder das Auslaufen von Vertragslaufzeiten könnten Neubewertungen und neue Erstattungsbeträge auslösen.
Mehr als die Hälfte der AMNOG-Verfahren der vergangenen Jahre seien erneute Bewertungen gewesen. »Wer darüber hinaus noch zusätzliche, anlasslose Re-Evaluationen fordert, muss erklären, welchen medizinischen oder versorgungsrelevanten Erkenntnisgewinn sie bringen sollen. Und wie dies mit den im Pharmadialog verfolgten Zielen eines Bürokratieabbaus vereinbar sein kann«, heißt es in der Pressemitteilung.
Pharma Deutschland verweist auf eigene Analysen, wonach die zehn umsatzstärksten AMNOG-Arzneimittel durchschnittlich rund acht Preisanpassungen je Präparat über eine mittlere Marktdauer von zehn Jahren zeigen. Die meisten Anpassungen seien Preissenkungen gewesen – im Schnitt alle 16 Monate. Diese Preisentwicklung belege, dass das System bereits dynamisch arbeitet.
Besonders kritisch bewertet Pharma Deutschland Überlegungen, den Zugang stärker mit Kosten-Nutzen-Bewertungen zu steuern. »Deutschland hat sich im AMNOG bewusst für eine andere Logik entschieden. Im Mittelpunkt steht der Zusatznutzen einer neuen Therapie gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie. Auf dieser Grundlage verhandeln Hersteller und GKV-Spitzenverband anschließend den Erstattungsbetrag«, schreibt der Verband. Dieses zusatznutzenbasierte Verhandlungsprinzip müsse gestärkt und flexibilisiert werden.