Gesund bis auf die Knochen |
| 11.10.1999 00:00 Uhr |
Calcium und Vitamin D als Nahrungsergänzung sind die beste Prophylaxe gegen brüchige Knochen. Welche Mengen optimal sind und welche Medikamente Osteoporose-Patienten helfen, erklärte Dr. Hermann Liekfeld aus Mülheim im Workshop des PZ-Forums Osteoporose Was der Apotheker wissen sollte.
Osteoporose ist eine Erkrankung, die vor allem Frauen betrifft. Nach der Menopause sinkt die Estrogen-Produktion und es kommt für fünf bis zehn Jahre zu einem verstärkten Knochenabbau. Jede Frau im Klimakterium sollte daher Estrogene substituieren, riet Liekfeld. Da die Estrogene jedoch möglicherweise Mammakarzinome fördern, könnten betroffene Frauen die Substitution auf Zeit nach der Menopause beschränken, in denen der Knochenabbau am drastischsten ist.
Ob, wann und in welchem Maß die Osteoporose eintritt, ist abhängig vom Zustand der Knochen im 30. Lebensjahr. Was bis dahin nicht erreicht ist, kann nie wieder aufgeholt werden, sagte Liekfeld. Einen reduzierten Knochenaufbau haben Frauen, die extremen Leistungssport betreiben, bei denen die erste Menstruation spät eingesetzt hat und Menschen, die zu wenig Calcium zu sich genommen haben.
Die meisten sind unterversorgt
Eine optimale Versorgung mit Calcium erreicht praktisch niemand mit der Ernährung, erklärte Liekfeld. Er empfahl 500 mg Calcium pro Tag als Nahrungsergänzung. Für die Calcium-Substitution sei eine aufgelöste Brausetablette in kleinen Schlucken, über mehrere Stunden verteilt, optimal. Leert man hier das Glas in einem Zug, geht ein Großteil des Minerals verloren, da der Darm innerhalb kurzer Zeit nur begrenzte Mengen Calcium resorbieren kann.
Wer seinen Calciumbedarf mit der Ernährung decken möchte, sollte vor allem Milchprodukte zu sich nehmen. Mit Quark sei man jedoch schlecht beraten, erklärte Liekfeld. Quark sei zwar eine gute Eiweißquelle, aber das Calcium fließe bei der Quarkproduktion mit der Molke ab. Ein viel besserer Calciumlieferant sei Hartkäse. Für eine optimale Versorgung mit Calcium kommt es auch auf den Phosphatgehalt der Nahrung an. Phosphat wirkt sich negativ auf die Calciumresorption im Darm aus und in unserer Nahrung gibt viel zu viele Phosphate.
Vitamin D immer mit Calcium
Zur Prophylaxe der Osteoporose sei auch die ausreichende Versorgung mit Vitamin D wichtig. Die Einnahme von 500 bis 1000 I. E. Vitamin D sollte immer zusammen mit Calcium erfolgen, da es neben der Resorption von Calcium aus dem Darm auch den Calcium-Spiegel im Blut erhöht, wobei Calcium aus dem Knochen mobilisiert wird.
Eine geeignete Labordiagnostik für die Osteoporose gebe es nicht, berichtete Liekfeld. Damit ließen sich lediglich andere Erkrankungen ausschließen. Über eine quantitative Computertomographie könne man zwar die Knochendichte bestimmen, allerdings sei die Strahlenbelastung bei dieser Methode sehr hoch. Bei der peripheren quantititativen Computertomographie ist sie zwar geringer, man kann die Knochendichte hier jedoch nur in der Peripherie messen, nicht aber am besonders gefährdeten Schenkelhals und an der Wirbelsäule. Wegen individueller Schwankungen mache vor allem eine Verlaufskontrolle Sinn, die nur möglich sei, wenn die Messungen immer wieder mit dem gleichen Gerät gemacht werden.
Bei einer schmerzhaften Osteoporose könnten die Patienten Calcitonin einnehmen. Der Wirkstoff habe neben der Hemmung des Parathormons, das für die verstärkte Calciumfreisetzung aus den Knochen verantwortlich ist, eine analgetische Wirkung. Günstig seien auch Biphosphonate. Die den Knochen abbauenden Osteoklasten nehmen die Salze auf, können sie aber nicht abbauen und die Wirkstoffe reichern sich so lange an, bis der Osteoklast zu Grunde geht. Bei der Langzeittherapie sterben jedoch auch die den Knochen aufbauenden Osteoblasten ab, weshalb Liekfeld für eine Intervallbehandlung von Osteoporose-Patienten plädierte. Sie sollten alle zwei bis drei Monate über einen relativ kurzen Zeitraum Biphosphonate einnehmen, ansonsten jedoch Calcium substituieren. Günstig sei hier zum Beispiel der Didronel-Kit*. Gleichzeitig dürfe man Calcium und Biphosphonate nicht einnehmen, da die Substanzen miteinander Komplexe bilden.
Fluoride werden erst bei einer manifesten Osteoporose eingesetzt. Sie erhöhen zwar die Dichte, nicht aber die Elastizität der Knochen. Eine Fluoridtherapie sollte daher immer mit einer Calciumsubstitution einhergehen, allerdings zeitlich voneinander getrennt.
(weitere Details und eine Übersicht der verschiedenen Osteoporose-Formen finden Sie
auch im Titel-Artikel der Ausgabe 31)
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