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Vitamin E wirkt neuroprotektiv

Datum 03.05.1999  00:00 Uhr

- Pharmazie Govi-Verlag

Vitamin E wirkt neuroprotektiv

von Brigitte M. Gensthaler, München

Vitamin E schützt Neuronen effektiver vor oxidativem Zelltod als 17b-Estradiol. Dies konnte die Arbeitsgruppe Neurodegeneration am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie belegen. Deren Leiter, Dr. Christian Behl, erhielt am 23. April in München den Hermes-Vitamin-Preis.

Bereits zum neunten Mal verlieh der Geschäftsführer der Hermes Arzneimittel GmbH, Johannes Burges, den mit 15 000 DM dotierten Preis für eine noch unveröffentlichte Arbeit aus dem Bereich der Vitamin-E-Forschung. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Professor Ishwarlal Jialal von der University of Texas, Dallas. Er untersuchte den Einfluß von a-Tocopherol auf Veränderungen von LDL und auf die Monozytenfunktion bei Diabetikern.

Schon früher konnte Behl nachweisen, daß a-Tocopherol Zellen vor der Neurotoxizität des Morbus-Alzheimer-assoziierten Amyloid-b-Proteins schützt. Dieses Protein bewirke eine Kumulation von Peroxiden in kortikalen Neuronen und begünstige die Peroxidation von Membranlipiden, erklärte der Preisträger bei einem Workshop. Außerdem locke es Mikroglia-Zellen an, die ihrerseits Stick- und Superoxide ausscheiden. In einem Modell schützten synthetisches und natürliches a-Tocopherol gleich effektiv vor oxidativem Streß und Zelltod; die neuroprotektive Wirkung war deutlich höher als die von 17b-Estradiol. Außerdem induzierte das Vitamin die Aktivität des Transkriptionsfaktors NF-kB, der in letzter Zeit mit einer neuroprotektiven Wirkung in Verbindung gebracht wird, erklärte der Biologe.

Derzeit gibt es laut Behl keine Hinweise auf Vitamin-E-Defizite im Gehirn von Alzheimer-Patienten; wohl aber hätten sie häufig geringere Plasmaspiegel. Damit korreliere bei einigen Patienten die kognitive Funktion. In einer amerikanischen Multizenterstudie mit 341 Patienten konnte die tägliche Gabe von 2000 I.E. Vitamin E über zwei Jahre klinisch relevante Ereignisse wie Tod oder Heimeinweisung hinauszögern.

Tocopherol hemmt Kollagenase

Vitamin E könnte nach topischer Applikation vor Hautalterung schützen, vermuten Professor Dr. Angelo Azzi und Dr. Roberta Ricciarelli von der Universität Bern. Für ihre Arbeit zum Einfluß von Tocopherol auf die menschliche Proteinkinase-C und die Kollagenase erhielten sie den Optovit-Hautforschungspreis.

Mit steigendem Alter und durch Umwelteinflüsse wie Oxidationsmittel, erhöhte Blutglucose oder Tumorpromotoren nehmen Expression und Aktivität von Proteinkinase-C in Hautfibroblasten zu. Diese wiederum steuert die Expression der Kollagenase MMP-1, "die das Kollagen der Haut verdaut", erläuterte Azzi. Vitamin E beschleunigt die Dephosphorylierung der Proteinkinase zur inaktiven Form. "Wir haben über vierzig Gene gefunden, deren Expression durch a-Tocopherol beeinflußt wird." Für die Einnahme des antioxidativ wirksamen Vitamins hatte Azzi eine Faustregel parat: Alter x 5 = Tagesdosis Vitamin E in mg.

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