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Real-World-Daten

Paxlovid auch gut wirksam bei Omikron-Infektionen

Die Gabe des Covid-19-Medikaments Paxlovid® verhindert bei älteren Menschen, die sich mit der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 infiziert haben, Hospitalisierungen und Todesfälle. Das zeigen Real-World-Daten aus Israel.
Annette Rößler
08.09.2022  18:00 Uhr

Der SARS-CoV-2-spezifische Proteasehemmer Nirmatrelvir ist, geboostert mit Ritonavir, seit Februar dieses Jahres als Paxlovid® in der EU auf dem Markt. Zuvor hatte das Medikament in Studien seine Wirksamkeit zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe bei Risikopatienten unter Beweis gestellt. An diesen Studien hatten ungeimpfte Personen teilgenommen, die sich überwiegend mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 infiziert hatten, denn diese war während der Dauer der Studien vorherrschend gewesen.

Mittlerweile haben sich diese Rahmenbedingungen geändert: Es dominiert die Omikron-Variante, die verglichen mit Delta seltener zur schweren Krankheitsverläufen führt. Zudem sind unterdessen die meisten Menschen geimpft und/oder genesen, hatten also schon mindestens einmal Kontakt mit dem Virus. Mitarbeiter der gößten israelischen Krankenversicherung Clalit Health Services um Dr. Ronen Arbel haben daher nun untersucht, wie gut Paxlovid unter den gegenwärtigen Umständen abschneidet.

Das Team wertete die Daten sämtlicher Clalit-Versicherten im Alter über 40 Jahren aus, die sich während der Omikron-Welle in Israel zwischen Januar und März 2022 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten und für die eine Paxlovid-Therapie theoretisch infrage gekommen wäre. Tatsächlich erhalten hatten das Medikament 3902 von 109.254 Teilnehmern der Auswertung (4 Prozent). Unter den 42.821 Patienten ab 65 Jahren hatte die Paxlovid-Anwenderquote mit 6 Prozent höher gelegen als bei den Jüngeren (2 Prozent). Ungefähr vier von fünf Studienteilnehmern (78 Prozent) wiesen infolge einer vorherigen Impfung, Infektion oder von beidem eine Immunität gegen SARS-CoV-2 auf.

In der Altersgruppe ab 65 Jahren betrug die Covid-19-bedingte Hospitalisierungsrate bei denjenigen, die Paxlovid erhalten hatten, 14,7 pro 100.000 Personentage und bei denjenigen, die das Medikament nicht erhalten hatten, 58,9 pro 100.000 Personentage (Risikorückgang um 73 Prozent). Unter den mit Paxlovid behandelten älteren Patienten starben zwei von 2484 an Covid-19, während es unter denjenigen ohne Paxlovid-Therapie 158 von 40.337 waren (Risikorückgang um 79 Prozent). Bei Patienten unter 65 Jahren war dagegen weder mit Blick auf die Hospitalisierungsrate noch die Mortalität ein Vorteil durch Paxlovid zu verzeichnen.

Als eine Einschränkung ihrer Studie weisen die Autoren darauf hin, dass nur eine Minderheit der Patienten, die aufgrund ihrer persönlichen Risikokonstellation Paxlovid hätten erhalten können, auch tatsächlich behandelt wurde – ein Problem, das auch in Deutschland bekannt ist. Es sei unklar, so Arbel und Kollegen, warum Paxlovid so zurückhaltend eingesetzt wurde. Allerdings sei davon auszugehen, dass insbesondere Patienten mit schweren Covid-19-Symptomen mit Paxlovid behandelt worden seien. Deshalb gehen die Autoren davon aus, dass die Wirksamkeit anhand dieser Studie eher noch unterschätzt werde.

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