Professor Dr. Henriette Neumeyer, Prof. Dr. Albrecht Stier, Dr. Heidemarie Haeske-Seeberg und Dr. Franziska Diel (von links) gaben Statements zur Patientensicherheit ab. / © Eventfotos Berlin/Danilo Ferrera
Chronische Erkrankungen sind prägend – in Praxen, Apotheken und im Privaten. »Eine anhaltende chronische Erkrankung beeinträchtigt das ganze Leben«, stellte Dr. Franziska Diel vom Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) bei einer Pressekonferenz zum Welttag der Patientensicherheit am Donnerstag klar. Die Lebensqualität und soziale Kontakte können eingeschränkt sein. Betroffene müssen unter Umständen den Beruf wechseln. Obendrauf gibt es finanzielle Belastungen: Teilweise müssten Patienten Aufwendungen bezahlen, die nicht erstattet werden.
Mit dem diesjährigen Motto »Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben« macht es auf die Relevanz nicht übertragbarer chronischer Krankheiten aufmerksam. »Chronische Erkrankungen haben einen riesengroßen Anteil am Krankheitsgeschehen«, sagte Diel bei der Pressekonferenz.
Sobald eine Erkrankung mehr als sechs Wochen anhalte, sei sie chronisch, erklärte Diel. Viele der Erkrankungen seien durch das Verhalten, Ernährung und Umweltfaktoren beeinflussbar. Auch Alkohol und Nikotin spielen eine Rolle. Der Anteil an chronischen Erkrankungen nehme auch in Entwicklungs- und Schwellenländern zu. Lange Zeit waren in diesen Teilen der Welt Infektionskrankheiten vorherrschend.
Chronische Erkrankungen hätten »eine irre große Bedeutung«, findet Diel. »Man kann sogar sagen, sie sind ein Treiber des Kostengeschehens«, so Diel weiter. Laut RKI ist rund die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland betroffen, Kinder und Jugendliche zu etwa 16 Prozent. Bei Erwachsenen treten am häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Auch Lungenerkrankungen oder psychische Krankheiten haben viele. Kinder erkranken oft an Asthma, Allergie oder – wie die Erwachsenen – psychisch, erläuterte Diel.
Der Gemeinsame Bundesausschuss beschließt für eine bessere Versorgung sogenannte Disease-Management-Programme (DMP). Zur Umsetzung schließen Krankenkassen mit Praxen oder Krankenhäusern Verträge, heißt es auf der Website des G-BA. Diese Verträge fehlen für viele Erkrankungen, darunter Adipositas, so Diel. »Das ist schon erschütternd, dass so viel Arbeit geleistet wird und – am Ende des Tages – es eben keine Wirkung entfalten kann«. Das APS fordert, dass hier Verträge geschlossen werden. Auch sollen für alle Krankheiten DMP definiert werden.
»DMP sind ein wichtiger Punkt, aber ich glaube es geht noch darüber hinaus«, sagt Professorin Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft bei der Konferenz. »Fehler werden passieren«, daher sei es wichtig das ganze strukturell anzugehen und Systeme entsprechend zu organisieren. »Patientensicherheit – wer kennt nicht das Käsemodell – ist keine Momentaufnahme«, stellte sie klar. Das Modell beschreibt Patientensicherheit als Schweizer Käse mit Löchern. Ein Fehler muss durch die Löcher mehrerer Ebenen rutschen, um schließlich bis zum Patienten zu gelangen.
Doch das passiert trotz und manchmal sogar wegen der vielen Instanzen. Auch die Kommunikation zwischen den Behandelnden wurde bei der Pressekonferenz angesprochen. Viele Fehler kämen durch mündliche Absprachen oder Fehler im händischen Schriftverkehr zustande. Digitalisierung könne helfen. »An jedem Glied der Behandlungskette muss man die richtigen Informationen haben – aber auch Antworten auf die richtige Information«, stellt Dr. Heidemarie Haeske-Seeberg klar. »Wir glauben, dass das nicht dem Zufall überlassen werden darf.«