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Antikoagulanzien

Outcome-Daten schwerer Blutungen sind rar

In einer prospektiven, multizentrischen Beobachtungsstudie wurden die Ergebnisse und das Management von Patienten untersucht, bei denen es unter der Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten  oder direkten oralen Antikoagulanzien zu schweren Blutungen gekommen war. Unterschiede im Outcome wurden beobachtet. Diese waren aber nicht signifikant.
Theo Dingermann
04.05.2020  14:56 Uhr

Wissenschaftler um Professor Dr. Edelgard Lindhoff-Last vom Gerinnungs- und Studienzentrum des Cardio-Angiologischen Centrums Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main werteten Daten von 193 Patienten mit starken Blutungen aus. 97 Patienten waren mit einem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und 96 mit einem direkten, oralen Antikoagulanz (DOAK) behandelt worden.

Als primärer Endpunkt der Studie war die Mortalität im Krankenhaus bis einschließlich Tag 30 nach stationärer Aufnahme festgelegt. Sekundäre Endpunkte waren die Blutungsdauer, die vom Prüfarzt definierte blutungsbedingte Mortalität im Krankenhaus, der Einsatz von Gegenmitteln, der Grad der Blutstillung durch supportive Maßnahmen sowie eine Kausalitätsbewertung.

13,0 Prozent der Patienten verstarben bis einschließlich Tag 30 nach stationärer Aufnahme, 17,5 Prozent in der VKA-Gruppe und 8,3 Prozent in der DOAK-Gruppe (p = 0,085). Die mediane Blutungsdauer betrug in der VKA-Gruppe 19,8 Stunden und in der DOAK-Gruppe 27,8 Stunden (p = 0,632). Die blutungsbedingte Mortalität im Krankenhaus lag in der VKA-Gruppe höher als in der DOAK-Gruppe (15,5 Prozent gegenüber 4,2 Prozent; p = 0,014). Bei 35 Prozent (68/193) der Patienten wurde die Blutung durch äußere Trigger verursacht, hauptsächlich durch Stürze. Nur die Verwendung von Prothrombinkomplexkonzentraten (PPSB) reduzierte die mediane Blutungsdauer bei beiden Patientengruppen. 

Mit ihrer Arbeit ergänzen die Autoren den relativ kleinen Datenpool aus dem klinischen Alltag, der Auskunft über das Outcome schwerer Blutungen bei oral antikoagulierten Patienten gibt. Als Ergebnis ihrer Studie resümieren die Autoren, dass die Krankenhausmortalität bei mit VKA-behandelten Patienten nominell höher als bei mit DOAK behandelten Patienten lag. Allerdings waren die Unterschied statistisch nicht signifikant.

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