| Johanna Hauser |
| 11.06.2026 07:00 Uhr |
Orale Entzündungsreaktionen vermindern bei Mäusen die Zahl der Nachkommen. / © Getty Images/Gins Wang
Die Forschenden um Dr. Paz Kles und Stephen Ameho von der Hebräischen Universität Jerusalem (HUJI) untersuchten an Mäusen die Auswirkungen chronischer oraler Entzündungen. Dazu unterzogen sie die weiblichen Versuchstiere einer Zahn-Extraktion mit anschließendem Einsatz eines Titan-Implantats. Über die Ergebnisse berichtete das Team im »Journal of Dental Research«.
Nach vier Wochen bewerteten die Wissenschaftler die lokale Immunität, die systemische Immunantwort sowie Fruchtbarkeit und Eizellenqualität mithilfe verschiedener Methoden. Dabei offenbarte sich ein auffälliger biologischer Zusammenhang zwischen chronischer Mundentzündung und abnehmender Fruchtbarkeit. Offensichtlich beeinflusste die Entzündungsreaktion auch die Eierstöcke der Mäuse.
Die Ergebnisse zeigten, dass das Implantat eine verstärkte Entzündungsreaktion in der umgebenden Schleimhaut verursachte. Gleichzeitig war die Expression von Zytokinen in den Lymphknoten und der Milz erhöht.
Eine entsprechende Veränderung der Zytokinexpression wurde aber auch in den Eierstöcken festgestellt, die mit Veränderungen der Immunzellpopulationen einherging. Diese Ereignisse führten zu erhöhten oxidativen Schäden am Eierstock und schließlich zu einer verminderten Eizellqualität und gestörten Follikelentwicklung.
Die Eizellen wiesen DNA-Schäden und epigenetische Veränderungen auf – ähnlich denen, die natürlicherweise im fortgeschrittenen Alter auftreten, wenn sich die fruchtbare Phase ihrem Ende entgegen neigt.
In Paarungsexperimenten war auch die Rate an Lebendgeburten verringert: Vier Wochen nach Einsatz der Implantate paarten die Forschenden vier Weibchen mit Männchen. Als Kontrollgruppe dienten vier unbehandelte Weibchen. In der Gruppe mit den Implantaten warf nur ein Tier – und auch nur ein Junges. Die Weibchen der Kontrollgruppe brachten alle einen normalen Wurf zur Welt.
»Entzündung wird oft als lokale Reaktion betrachtet, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass sie systemische Folgen haben kann, die bis ins Fortpflanzungssystem reichen«, so Professor Dr. Michael Klutstein, Co-Autor der Studie. »Die Arbeit legt nahe, dass chronische orale Entzündungen ein unterschätzter Faktor bei weiblicher Unfruchtbarkeit sein könnten und möglicherweise zu Fällen beitragen, für die es derzeit keine klare Erklärung gibt.«
Gegenüber der »Jerusalem Post« erklärte Klutstein weiter, dass nun Studien am Menschen durchgeführt werden müssten. Es sei aber bereits jetzt eine gute Idee, wenn sich Frauen mit Kinderwunsch beim Zahnarzt auf mögliche Entzündungen im Mund untersuchen lassen. Ein Drittel aller Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit seien unbekannt, die Erkenntnisse der vorliegenden Studie könnten dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.