| Melanie Höhn |
| 27.07.2026 15:00 Uhr |
In einem Existenzgründerworkshop bekommen Interessierte einen ersten Überblick darüber, was bei einer Selbstständigkeit in den ersten Jahren zu beachten ist. (Symbolfoto) / © Imago Images/imagebroker
Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken ist angespannt, hinzu kommt eine überbordende Bürokratie und die schwierige Suche nach einem Nachfolger. Suzana Upmann, Vertriebsleiterin der Noweda am Standort Münster, spricht in einer Mitteilung des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL) von einer Umbruchsituation: »Der Gesetzgeber weist den Apotheken erstmals eine bedeutende Rolle als Gesundheitsversorger zu. Prävention und Primärversorgung sind die Stichworte.« Dadruch würden sich neue Perspektiven und Einkommensmöglichkeiten für Apotheken ergeben. »Deshalb bin ich davon überzeugt, dass sich Selbstständigkeit auch weiterhin lohnt.«
Durch die Apothekenreform würden die Kompetenzen der Apothekerschaft »endlich in Gänze anerkannt«, so Upmann. »Das bedeutet, dass Apotheken nicht nur mehr Leistungen anbieten, sondern sich auch spezialisieren können. Gerade für junge Pharmazeuten kann das eine zusätzliche Motivation für eine Übernahme sein. Dabei spielen die Lage, das Umfeld und persönliche Interessen eine Rolle.«
Während einige Apotheken in Regionen mit Ärztemangel durch ihre Leistungen die hausärztliche Versorgung unterstützen oder die Akutversorgung bei Erkältungskrankheiten übernehmen, könnten sich andere auf die Prävention konzentrieren und so neue Zielgruppen erschließen. Gerade Testungen und venöse Blutentnahmen böten den Apotheken große Chancen, erklärte die Expertin.
Die Erhöhung der packungsbezogenen Vergütung und die regelmäßige Verhandlung der Vergütung sei positiv, gleichzeitig würden die positiven Effekte durch Maßnahmen wie die geplante Erhöhung des Kassenabschlags teilweise wieder abgeschwächt. »Das ist schon eine dicke Kröte. Aber – auch wenn die Anpassungen der Honorierung den Leistungen der Apotheken immer noch nicht vollständig gerecht wird - bleibt es unter dem Strich eine Erhöhung in Kombination mit den vielen neuen Möglichkeiten im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen«, so Upmann.
Wer mit dem Gedanken der Selbständigkeit spiele, müsse früh damit anfangen, sich zu informieren und Unterstützungsangebote nutzen. Hierbei könne der Existenzgründungsworkshop, den die Noweda zusammen mit der Treuhand Hannover, der Apobank, der Apothekerkammer und dem Apothekerverband Westfalen-Lippe am 6. Oktober 2026 in Münster ausrichtet, hilfreich sein. »Die eigene Apotheke ist für viele Pharmazeuten der große Traum und war oft auch der Grund für die Studienwahl. Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Denn gerade zu Beginn wird es auch schwierige Momente und sehr anstrengende Phasen geben«, ist Upmann überzeugt.
Upmann empfiehlt die Teilnahme an dem Workshop, weil Gründungsinteressierte dort einen ersten Überblick darüber bekommen, was bei einer Selbstständigkeit in den ersten Jahren zu beachten ist. »Sie können an diesem Tag das gesamte Know-how der Branche anzapfen, bekommen Infos zu rechtlichen Fragen, zur Finanzierung, zu steuerlichen Aspekten, Lagerhaltung und Großhandel. Teilnehmer erhalten auch erste Einblicke in betriebswirtschaftliche Grundlagen, Zahlenwerke und Marktanalysen. Alle Experten sind vor Ort und können interviewt werden«, so Upmann. Wenn man die Ansprechpartner erst einmal kennengelernt habe, falle es leichter, im Nachgang sich mit weiteren Fragen an sie zu wenden. Zudem könnten bei der Veranstaltung frische Existenzgründer nach ihren Erfahrungen und Tipps gefragt sowie Netzwerke mit den anderen Gründungswilligen geknüpft werden, um sich auf dem Weg in die Selbstständigkeit auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.