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Unveröffentlichte Daten

Offenbar Rückschlag für Remdesivir

Herber Rückschlag für Gilead

Angesichts des vorzeitigen Abbruchs und der geringen Teilnehmerzahl ist die Aussagekraft dieser Daten begrenzt. Sie müssen sicherlich im Kontext mit den Ergebnissen anderer Remdesivir-Studien gesehen werden. Die vorliegende Studie wäre jedoch besonders wichtig gewesen, da sie placebokontrolliert war. Viele andere Untersuchungen, die derzeit mit Remdesivir gemacht werden, sind das nicht. Für Remdesivir-Hersteller Gilead ist das Scheitern der chinesischen Studie daher ein herber Rückschlag.

Dass die Daten überhaupt im Rohzustand öffentlich wurden, ist ein pikantes Detail, aber laut der WHO ein Versehen. Eine WHO-Sprecherin sagte dazu gegenüber »Stat«: »Ein Manuskriptentwurf, der der WHO von den Autoren eingereicht wurde, wurde versehentlich auf der Website veröffentlicht und zurückgezogen, sobald der Irrtum bemerkt wurde.« Das Manuskript durchlaufe jetzt den Peer-Review-Prozess und man erwarte die finale Version, die die WHO dann kommentieren werde.

Bei Gilead mag man offenbar noch nicht von einem Rückschlag sprechen. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte »Stat«, dass die Veröffentlichung wahrscheinlich eine »ungeeignete Beschreibung« der Studie enthalten habe. Da die Studie vorzeitig gestoppt worden sei und zu wenige Patienten eingeschlossen habe, lasse sie keine statistisch sinnvollen Rückschlüsse zu. Die Daten zeigten allerdings einen Trend hin zu einem möglichen Vorteil durch Remdesivir, vor allem für Patienten, die früh im Krankheitsverlauf damit behandelt würden.

Sicherlich bedeutet der Vorfall nicht, dass Remdesivir als Mittel gegen Covid-19 abzuschreiben ist. Auch Mediziner warnen nun vor voreiligen Schlüssen. Das Medikament habe bei Patienten in der München Klinik Schwabing erste Erfolge gebracht, sagte Professor Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen Klinik für Infektiologie, der Nachrichtenagentur dpa. Nach zurückhaltenden Schätzungen habe die Hälfte seiner Patienten profitiert, so Wendtner. Es sehe danach aus, dass schwer Erkrankte früher von den Beatmungsmaschinen genommen werden könnten.

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