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Halsschmerzmittel für Kinder

Ökotest rät ab

Ökotest hat 16 für Kinder geeignete Halsschmerzmittel in Apotheken und Drogeriemärkten gekauft und bewertet. Das Urteil: rundweg mangelhaft oder ungenügend.
Daniela Hüttemann
04.01.2019
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Schon für Erwachsene sieht es bei der Evidenz von lokal angewendeten Halsschmerzmitteln dünn aus – für Kinder gilt das erst recht. So gibt es keine guten Belege, dass Lutschtabletten, Lösungen und Sprays mit antibakteriellen, antiseptischen und adstringierenden Inhaltsstoffen die Krankheitsdauer verkürzen oder Komplikationen verhindern. »Sie sollten besonders bei Kindern und Jugendlichen mangels belastbarer Daten nicht angewendet werden«, urteilt Ökotest-Berater Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt, der für die Zeitschrift die aktuelle Studienlage ausgewertet hat. 

Bei mangelnden Wirkaussichten bleibt das Risiko für Nebenwirkungen, nicht nur durch die Wirk-, sondern auch durch die Hilfsstoffe. Benzocain und Benzalkoniumchlorid können Allergien auslösen; in sehr seltenen Fällen kann es bei Kindern unter Benzocain-Exposition zu einer Methämoglobinämie kommen, wie die US-Arzneimittelbehörde FDA im Mai 2018 gewarnt. Zwei der bewerteten Präparate (Lemocin® und Citramin® Lutschtabletten) enthalten den Farbstoff Chinolingelb (E104), der unter Verdacht steht, die Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern zu beeinflussen, was seit 2010 entsprechend deklariert werden muss. Die zwei genannten Halssprays enthalten 1 Volumenprozent (Laryngomedin® N) beziehungsweise 23,8 Volumenprozent (Neo-Angin® Halsspray) Ethanol, bemängelt Ökotest weiterhin. »Alkohol hat in Medikamenten für Kinder nichts zu suchen«, so die Zeitschrift in ihrer aktuellen Ausgabe. 

Was sind die Alternativen?

Ökotest rät dagegen zum Bonbon lutschen. Das rege den Speichelfluss an und befeuchte somit die Schleimhäute. Allerdings müssen Kinder alt genug sein, um sich nicht zu verschlucken (ab circa vier bis sechs Jahren). Zudem mache es nach derzeitiger Studienlage keinen Unterschied, »normale« Bonbons zu lutschen oder solche mit unbewiesenen Wirkversprechen, zum Beispiel mit Isländisch Moos.

Der befragte Kinderarzt Dr. Falko Panzer aus Mannheim empfiehlt aus Erfahrung, den Hals warm zu halten, Tee mit Honig und für größere Kinder Gurgeln mit Salzwasser. Bei Schmerzen helfen oral verabreichte Analgetika wie Ibuprofen und Paracetamol unter genauer Beachtung der gewichtsbasierten Dosierung.

Normalerweise bessern sich Halsschmerzen von selbst innerhalb weniger Tage. Tun sie das nicht oder kommen weitere Symptome wie Fieber, Übelkeit/Erbrechen oder Ausschlag hinzu, sollte der Patient dem Kinderarzt vorgestellt werden. Eine Streptokokken-Infektion wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.

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