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Venenmittel

»Ökotest« empfiehlt elf orale Präparate

Pünktlich zur Kurze-Hose-Saison hat sich das Verbrauchermagazin »Ökotest« umgesehen, welche Venenmittel derzeit in Apotheken und Drogerien erhältlich sind – und sie von Pharmazieprofessor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz evidenzbasiert bewerten lassen. Fazit: Zehn Produkte mit Extrakten aus roten Weinblättern oder Rosskastaniensamen sind empfehlenswert, außerdem ein Produkt mit Oxerutin.
Daniela Hüttemann
26.04.2019
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Müde Beine, Schwellungen, Juckreiz und Krampfadern: So kann sich eine Venenschwäche äußern. Der typische Patient ist weiblich und über 60 Jahre alt. Oft sind die Beschwerden zwar lästig und unschön, jedoch nicht gefährlich und damit für die Selbstmedikation geeignet. Aber: »Venenerkrankungen gehören grundsätzlich in die Hände eines Arztes«, betont Ökotest in seiner neuesten Ausgabe. »Nur er kann feststellen, welche Behandlung notwendig ist oder ob sogar eine Thrombosegefahr besteht.« Eine aktuelle Leitlinie zur Behandlung der Venenschwäche, medizinisch korrekt als chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) bezeichnet, existiert zur Zeit nicht. Die letzte stammt aus dem Jahr 1998. 

Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie empfiehlt Bewegung, Kühlung oder eine Kompressionstherapie. Reicht das nicht aus, kann eine Behandlung mit pflanzlichen Präparaten versucht werden. »Einigen von ihnen, wie Präparate aus der Rosskastanie oder Extrakte aus der Weinrebe, konnte in Studien tatsächlich ein symptomlindernder Effekt zugeschrieben werden«, heißt es auf der Website der Fachgesellschaft. Das gilt jedoch nur für oral einzunehmende Extrakte in Tabletten-, Kapsel- oder Drageeform.

Für Ökotest hat Dr. Manfred-Schubert-Zsilavecz, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt, nun 17 solcher Präparate aus Apotheken und Drogerien anhand der Studienlage bewertet. Zuverlässige Wirksamkeitsnachweise lägen demnach zurzeit für Extrakte aus Rosskastaniensamen und roten Weinrebenblättern vor sowie für das Flavonoid Oxerutin. 11 der 13 entsprechend bewerteten Präparate erhielten die Note »sehr gut« oder »gut«, darunter alle Apothekenpräparate, zum Beispiel Aescusan® Retard von Mibe, Antistax® Extra von Sanofi-Aventis und Venoruton® Intens von Glaxo-Smith-Kline. Von den Rote-Weinrebenblätter-Präparaten liegt laut Ökotest jedoch nur für Antistax eine ausreichende Studienreihe vor. Da Extrakt aber nicht gleich Extrakt ist, erhielt das zweite Präparat eine Note Abzug.

Viel schlechter sieht es für die Rosskastanien-Präparate von Abtei und Zirkulin aus der Drogerie aus, da der Wirkstoffgehalt nicht angegeben ist. Daher erhalten sie die Note »mangelhaft«. In der Tagesdosis müssten mindestens 100 mg des kaum wasserlöslichen Wirkstoffs Aescin enthalten sein. Das ist unwahrscheinlich, wurde bei beiden Präparaten doch Wasser statt Ethanol oder Methanol als Auszugsmittel verwendet.

Im Gegensatz zu Oxerutin sei für die Einzelsubstanzen Rutosid und Troxerutin (enthalten in jeweils zwei Präparaten) die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt. Dementsprechend schlecht fällt die Bewertung aus, nämlich »mangelhaft«.

Sonstige Mängel

Auch die Hilfsstoffe der Präparate ließ Ökotest bewerten. Sie seien größtenteils unproblematisch; allerdings enthielten acht der Venenmittel synthetische Farbstoffe wie Chinolingelb (E104), Erythrosin (E127), Gelborange S (E110) oder Azorubin (E122). Zu einem Punkteabzug führte diese Einschränkung jedoch nicht.

Bei drei Produkten monieren die Tester, dass im Beipackzettel Hinweise auf Kompressionsstrümpfe und Kaltwasserbehandlungen als wesentliche Bestandteile der Therapie fehlten. »Die Einnahme  von Präparaten ersetzt nicht andere vorbeugende Maßnahmen«, mahnt Ökotest.

Topische Venenmittel wie Cremes und Salben werden aufgrund mangelnder Wirksamkeitsnachweise im Übrigen weder von Ökotest (Ausgabe 8/2016) noch von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie empfohlen. Einen Vorteil haben die Mittel zum Einreiben laut Fachgesellschaft jedoch: Ein kräftiges Einmassieren von unten nach oben tue den Beinen immer gut und unterstütze den Abfluss des venösen Blutes Richtung Herz. Topika sollten jedoch keinen Alkohol enthalten, der bei manchen Präparaten zum kühlenden Effekt beigemischt wird. Solche Externa könnten bei Patienten mit Venenerkrankungen die ohnehin oft schon angegriffene Haut zusätzlich austrocknen. 

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