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Digitale Technologien

Novartis nutzt Vorteile von Big Data

Digitale Technologien verändern immer stärker den Gesundheitsmarkt. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis nutzt gezielt Big-Data-Analysen, um neue Medikamente effizienter zu erproben. Das geht aus einem Bericht des »Handelsblatt« hervor.
Jennifer Evans
03.07.2019  13:24 Uhr
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Digitale Technologien revolutionieren die Pharmaforschung und können die Prozesse bei der Zulassung neuer Medikamente effizienter machen. Viele Pharmakonzerne stecken Milliarden in die IT-gestützte Erforschung und Entwicklung neuer Arzneistoffe und schließen Kooperationen mit Technologie-Konzernen, so wie Pharmariese Sanofi mit Google.

In Sachen Big Data & Co. will Novartis-Chef Vasant Narasimhan seinen Konzern zum Branchenführer machen, wie die Wirtschaftszeitung »Handelsblatt« berichtet. Dazu wird seit rund neun Monaten auf dem Basler Campus des Pharmakonzerns ein sogenannter Sense-Raum genutzt, in dem Daten von 580 Pharmastudien zusammenlaufen. Der Fortschritt der Studien kann so in Echtzeit verfolgt werden und die Experten können bei Problemen zeitnah eingreifen. Ziel ist es, Wirkstoffe schneller zur Zulassung zu bringen, in dem die Rekrutierung von Patienten beschleunigt wird. Das soll Zeit und Geld sparen.

»Viele Forscher sind überoptimistisch und unterschätzen schlicht den Zeitbedarf, den eine Studie braucht«, zitiert die Zeitung Sam Hariry, der bei Novartis im Forschungsbereich für klinische Strategie verantwortlich ist. Die Software im Sense-Raum soll künftig drohende Probleme erkennen und so einer möglichen Verzögerung der Studie entgegenwirken. Dazu habe das System mehr als 300 vorhandene Studien auswertet und mögliche Fallstricke identifiziert, heißt in dem Bericht. Die meisten Informationen existierten ohnehin bereits bei Novartis und würden nun lediglich systematisiert, ohne dabei vertrauliche Patientendaten zu offenbaren, versicherte Narasimhan gegenüber dem »Handelsblatt«.

Ausgaben für Medikamente bleiben stabil

In Zukunft könnte dem Bericht zufolge auch der Einsatz von Telemedizin klinische Studien grundsätzlich verändern, etwa indem Patienten nicht mehr jedes Mal extra zum Forschungszentrum anreisen müssen. Die Hoffnung ist, dass es dann weniger Studienabbrecher gibt. Für die Zukunft erwarten Pharmamanager aber auch eine Verschiebung der Gesundheitsausgaben. Während sie prognostizieren, dass sich die Ausgaben im Bereich Diagnose, Prävention und digitale Gesundheit auf 2,7 Billionen Dollar verdreifachen werden, wird der Anteil im Bereich medizinische Versorgung von 70 Prozent auf 54 Prozent schrumpfen. Die Ausgaben für Medikamente bleiben den Erwartungen zufolge mit 17 Prozent stabil. Für die Zahlen verweist die Wirtschaftszeitung auf die »Future of Health«-Studie der internationalen Strategieberatung »Strategie &«, die unter anderem 120 Pharmamanager befragte.

Demnach wird in Zukunft zwar der Gesundheitsmarkt wachsen. Gleichzeitig werden aber auch immer mehr Menschen Zugang zu Medikamenten benötigen, was wiederum die Ausgaben pro Kopf reduziert und die Pharmakonzerne unter Druck bringen könnte. Um ihre Margen zu halten, müssten die Unternehmen künftig effizienter werden oder ihre Geschäftsmodelle anpassen, meinen die Befragten. Insgesamt erwarten die Experten, dass Prävention sowie das Management chronischer Erkrankungen durch Generika immer stärker an Bedeutung gewinnen. Auch in diesem Bereich spielen Kooperationen mit Technologie-Konzernen eine wichtige Rolle. In den vergangenen fünf Jahren hat sich laut »Strategie &«-Analyse im gesamten Pharmamarkt die Anzahl von Partnerschaften mit oder der Zukauf von großen Tech-Playern bereits verzwölffacht. Die Datenhoheit sowie den Aufbau entsprechender Plattformen bei der Entwicklung neuer Medikamente sollten sich die Pharmakonzerne aber nicht aus der Hand nehmen lassen, hebt die Zeitung als Fazit der Studie hervor.

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