Dies unterstreicht auch Dr. Peter Hajek, Professor für Klinische Psychologie an der Queen Mary University of London, der die Schlussfolgerungen der Autoren für irreführend hält. Relevanter als der Nachweis geringer Mengen von verdächtigen Chemikalien sei der Vergleich von Vapen und Tabakrauchen. »Die zentrale Information, die in der Übersichtsarbeit fehlt, ist, dass Vapen die Nutzer nur einem Bruchteil der im Tabakrauch enthaltenen krebserregenden Stoffe in geringer Dosis aussetzt – und den übrigen überhaupt nicht.«
Hajek hält Nikotin im Gegensatz zu den Autoren der Übersichtsarbeit nicht für ein Karzinogen. Die zitierten Effekte seien häufig mit Nikotinüberdosierung im Tiermodell erzielt worden und für den freiwilligen Nikotinkonsum beim Menschen nicht relevant. »Raucher falsch zu informieren, birgt das Risiko, sie davon abzuhalten, E-Zigaretten zu nutzen, die zu den wirksamsten Methoden gehören, um mit dem Rauchen aufzuhören«, sagt Hajek.
Auch Professor Dr. Lion Shahab vom University College London hält die Übersichtsarbeit aus verschiedenen Gründen für problematisch. Sie entspreche nicht der gängigen Praxis für systemische Reviews – es würden zum Beispiel keine Angabe zum Ein- und Ausschluss von Studien gemacht – und könne eher als Meinungsbeitrag gewertet werden. Es sei eine Neigung zu bemerken, »übertriebene Gewissheit zu suggerieren«, etwa beim Thema Nikotin, das von der IARC nicht als Karzinogen eingestuft ist. Die vorgelegten Daten sollten nicht dramatisiert werden.
Shahab hält E-Zigaretten für ein probates Mittel, um mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Aber: »Sie sollten nicht von Personen verwendet werden, die noch nie geraucht haben.«