Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

CSD
-
»Niemand darf mit den Folgen allein gelassen werden«

Die Anschläge beim CSD haben eine breite Welle der Bestürzung und Solidarität ausgelöst, auch unter der Apothekerschaft. Der Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen spricht sich nun für eine stärkere psychosoziale Notfallversorgung nach Terror und schweren Anschlägen aus.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 30.07.2026  17:30 Uhr

Verarbeitung traumatischer Erfahrungen

Für Betroffene würden Gefühle der Angst, Hilflosigkeit oder Trauer nicht mit der medizinischen und psychosozialen Versorgung oder öffentlichen Aufmerksamkeit enden. »Außergewöhnliche Gewaltereignisse können weitreichende und langfristige Folgen für die psychische Gesundheit haben. Posttraumatischen Belastungsstörungen werden nicht selten begleitet von Depressionen, Angststörungen, komplizierten Trauerreaktionen oder anhaltenden Beeinträchtigungen des sozialen und beruflichen Lebens. Neben Hinterbliebenen und Versehrten können auch Augenzeug*innen, Ersthelfende, Einsatzkräfte sowie medizinisches Personal erheblich belastet sein«, so der Verband.

Eine frühzeitige, fachlich qualifizierte und langfristig verfügbare Unterstützung könne die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen wesentlich fördern. »Traumatische Belastungen sowie daraus resultierende psychische Folgeerkrankungen sind behandelbar. Deutschland verfügt über leistungsfähige Strukturen der psychosozialen Versorgung wie unter anderem die Psychosoziale Notfallversorgung, spezialisierte Traumaambulanzen, Opferhilfeeinrichtungen, Psychotherapeut*innen und Notfallpsycholog*innen«, erklärte der BDP.

Ziele terroristischer und schwerer Gewalttaten seien die Verbreitung von Angst und Unsicherheit sowie die Erschütterung des Vertrauens in eine offene Gesellschaft. »Solche sowie auch weitere Großschadenslagen wie Naturkatastrophen bleiben wahrscheinlich. Der Ausbau von Sicherheitsstrategien ist daher eine wichtige Maßnahme der Gefahrenabwehr.« Dazu gehörten auch psychosoziale Versorgungsstrukturen, so der Verband: »Denn sie stärken nicht nur Betroffene, sondern auch Familien und Gemeinschaften sowie das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Ein Hilfesystem muss dabei flexibel, dauerhaft erreichbar und auf langfristige Begleitung ausgerichtet sein. Das gesellschaftliche Bewusstsein ist diesbezüglich deutlich gestiegen. Jetzt braucht es eine entsprechende Umsetzung auf politischer Ebene.«

Der BDP fordert »eine bundesweite verlässliche und nachhaltige Finanzierung aller Hilfsangebote innerhalb psychosozialer Versorgungsstrukturen mit klaren Zuständigkeiten und Qualitätsstandards und damit »eine Etablierung vorhandener flächendeckender Strukturen sowie den weiteren Auf- und Ausbau der Psychosozialen Notfallversorgung und eine enge Zusammenarbeit mit relevanten Bereichen des Gesundheitswesens, der Sicherheitsbehörden sowie der Politik«. 

Der Verband führt weiter aus: »Niemand, der von Terror oder schwerer Gewalt psychisch betroffen ist, darf mit den Folgen alleingelassen werden. Eine nachhaltige psychosoziale Versorgung ist Ausdruck von Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Dafür setzen wir uns als Berufsverband ein.«

Mehr von Avoxa