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Einsatz für die Apotheke
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Nichts außer Plan A

Erneute Apothekenproteste stehen bevor – denn Anlass dafür gibt es nach wie vor genug. Neben der Zuversicht, dass der Einsatz am Ende etwas bringt, braucht es auch die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren. Zwei Beispiele, wie das gelingen kann.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 25.02.2026  18:00 Uhr
»In Schockstarre zu verfallen, hilft nicht«

»In Schockstarre zu verfallen, hilft nicht«

Auch ihr Kollege Johannes Jokiel aus Münster zieht aus gemeinsamen Aktionen Energie und Motivation. Wie Kesselmeier empfindet auch der junge Apotheker die Proteste als etwas Verbindendes, eine Art Schulterschluss der Branche, wie er der PZ erzählte. Jokiel war im Juni 2023 an der Organisation des Apothekenprotests in Münster beteiligt, bei dem mehr als 1000 Menschen durch die Innenstadt zum Prinzipalmarkt zogen. »Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut«, schallte der Protestruf damals durch die Straßen.

Mitten im Gewühl war Jokiel mit Megafon und Trillerpfeife. Lautstark für die Apothekenbelange einzustehen, habe seine eigene Begeisterung für den Beruf in der öffentlichen Apotheke noch gesteigert, sagt er. Er profitiere davon, dass er seinen Beruf als sinnstiftend erlebe; dies steigere die Widerstandskraft gegen möglicherweise ausbleibende politische Erfolge. »Resilienz entsteht für mich aus Haltung und Handlung«, erklärt er. »Man weiß nie, was passiert. In Schockstarre zu verfallen, hilft nicht.«

Warm-up vor 5000 Menschen

Und so war es auch Jokiel, der bei der zentralen Demo im November 2023 in Dortmund auf der Bühne stand und die Menge anfeuerte. Das Warm-up auf dem Platz der Partnerstädte war für ihn eine neue Erfahrung, ein Aus-der-Komfortzone-Kommen. Vor 5000 Menschen zu stehen und »den Hexenkessel zum Laufen zu bringen«, habe  zwar zunächst seinen Puls hochgejagt, dann habe er seine Aufregung aber überwunden, immer mehr an Sicherheit gewonnen und am Ende durch die positive Rückmeldung sogar eine Art von Synergie empfunden.

Die Gewissheit, dass für ihn die Arbeit in einer öffentlichen Apotheke die richtige Wahl ist, gibt dem  angestellten Apotheker in leitender Funktion, der sich auch im Nachwuchsausschuss der Kammer Westfalen-Lippe engagiert, Selbstbewusstsein. Dieses will er stärken und teilen, indem er Kolleginnen und Kollegen im Apothekenteam positives Feedback vermittelt, indem er den Patientinnen und Patienten zeigt, dass er gern für sie da ist. Ihm sei die »Experten-Laien-Kommunikation« wichtig, also die patientennahe Sprache, das Ansprechbar-Sein. »Das motiviert mich jeden Tag.«

Sein Rezept für Selbstmotivation: »Ich habe keinen Plan B.« Denn mit einem solchen konzentriere man sich automatisch nicht mehr »zu 100 Prozent« auf Plan A – und dies müsse die öffentliche Apotheke und ihre Zukunftsfähigkeit sein.

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