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Kopfschmerzen

Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Schmerzmittel

»Trotz der teils massiven Beeinträchtigung durch Spannungskopfschmerzen oder Migräne gehen die Deutschen mit Schmerzmitteln offensichtlich sehr verantwortungsvoll und vernünftig um.« Das sagte Dr. Jan-Peter Jansen, Ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin, anlässlich des Deutschen Kopfschmerztags am 5. September 2019.
PZ
04.09.2019  14:00 Uhr
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Stechen, Ziehen, Drücken, Pochen: »In der Bundesrepublik sind etwa 29 Millionen Menschen regelmäßig von Spannungskopfschmerzen betroffen. Etwa neun Millionen leiden an einer immer wieder kehrenden Migräne«, betonte der Schmerzmediziner bei einer Veranstaltung der Sanofi-Aventis in Hamburg. Die Lebensqualität der Betroffenen sei teilweise erheblich eingeschränkt. Das zeige auch die Tatsache, dass allein im Jahr 2018 bei Google 190 Millionen Suchanfragen zur Kopfschmerztherapie gestartet wurden.

Der jährliche Pro-Kopf-Gebrauch sowohl von rezeptpflichtigen als auch verschreibungsfreien Schmerzmitteln, so Jansen, habe sich in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlichen Wert im Vergleich zu Europa und dem Rest der Welt eingependelt. Untersuchungen aus dem Jahr 2018 hätten gezeigt, dass unter anderem in Australien fünf- und in Frankreich dreimal so viel Schmerzmittel eingenommen werden. 

Gemäß der evidenzbasierten Empfehlungen  zur Selbstmedikation bei Migräne und Spannungskopfschmerz unter anderem der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zählen Ibuprofen, Paracetamol und ASS zu den Mitteln der ersten Wahl. Dort heißt es auch, dass fixe Kombinationen mit Koffein eingesetzt werden können. »Kombinationen aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen mit Koffein sind den Einzelsubstanzen überlegen«, hob Privatdozent Dr. Charly Gaul, Ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, hervor.

»So steigert Koffein den schmerzlindernden Effekt von Ibuprofen um 40 Prozent. Der Wirkeintritt des Analgetikums wird um 36 Prozent beschleunigt«, erläuterte Gaul mit Verweis auf die Zulassungsstudie der entsprechenden Fix-Kombination (400mg Ibuprofen und 100mg Koffein), die seit Ende 2018 rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist.

Evidenz versus Mythos: »Haben Koffein-Kombinationen selbst in Fachkreisen nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen, so lassen sich diese wissenschaftlich entkräften«, unterstrich Gaul, der von einer insgesamt positiven Datenlage zur Wirksamkeit Koffein-haltiger Schmerzmittel sprach.

Bei nicht sachgerechter, sprich: zu häufiger und übermäßiger Einnahme von Analgetika kann es zu Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch kommen. »Allerdings kann das Risiko einer Chronifizierung des Kopfschmerzes auch durch eine unzureichend wirksame Akutmedikation erhöht werden«, warnte der Referent. »Die kritischen, aber auch die in der Akuttherapie notwendigen Analgetika-Dosierungen werden in der Selbstmedikation häufig nicht korrekt eingeschätzt. Hier kann die Beratung und Information in der Apotheke bedeutsam sein«, so der Neurologe. 

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