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Studie mit Dupilumab

Neurodermitis-Antikörper schon für Kinder ab sechs Monaten geeignet

Sanofi konnte in einer Phase-III-Studie mit Kindern ab sechs Monaten mit atopischer Dermatitis zeigen, dass der monoklonale Antikörper Dupilumab (Dupixent®) die Symptomlast wirksam und sicher reduzieren kann.
Daniela Hüttemann
31.08.2021  12:30 Uhr

Dupilumab (Dupixent®) ist seit 2017 in Deutschland auf dem Markt und derzeit ab einem Alter von sechs Jahren zur Behandlung moderater bis schwerer atopischer Dermatitis (Neurodermitis) zugelassen. Es ist das erste Immuntherapeutikum, das gezielt in den Pathomechanismus eingreift. Der monoklonale Antikörper blockiert die α-Untereinheit des Interleukin (IL)-4-Rezeptors, die sowohl Teil des IL-4- als auch des IL-13-Rezeptors ist. Deshalb werden durch Dupilumab sowohl der IL-4- als auch der IL-13-Signalweg gehemmt. Diese beiden Zytokine sind bei Neurodermitis-Patienten im Überfluss vorhanden.

Sanofi hat nun in der Phase-III-Studie LIBERTY AD PRESCHOOL mit 162 Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren mit unkontrollierter atopischer Dermatitis untersucht, ob Dupilumab auch für diese besonders betroffene Altersgruppe eine Therapieoption darstellen kann. Im Median war mehr als die Hälfte der Körperoberfläche betroffen. 29 Prozent waren mit systemischen Immunsuppressiva erfolglos vorbehandelt worden. Die Kinder erhielten zusätzlich zu einer topischen Therapie mit niedrig potenten Corticosteroiden den Antikörper oder Placebo über 16 Wochen. Die Dosis betrug je nach Körpergewicht 200 oder 300 mg alle zwei Wochen.

Wie das Unternehmen diese Woche mitteilte, seien alle primären und sekundären Endpunkte erreicht worden. Bereits in der ersten Wochen nach der ersten Dosis habe der Juckreiz stark nachgelassen und die Hauterscheinung verbesserte sich innerhalb von zwei Wochen deutlich. Primärer Endpunkt war ein IGA-Score (Investigator’s Global Assessment) von 0 (symptomfrei) bis 1 (fast symptomfrei) sowie eine 75-prozentige Verbesserung gegenüber der Ausgangssymptomatik (EASI-75, Eczema Area and Severity Index).

Einen IGA von 0 oder 1 hatten nach 16 Wochen Therapie 28 Prozent in der Dupilumab- und 4 Prozent in der Placebogruppe erreicht. 53 Prozent erreichten den EASI-75 gegenüber 11 Prozent unter Placebo. Im Schnitt erreichten die Dupilumab-behandelten Kinder eine Verbesserung der Hautsymptome um 70 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert gegenüber 20 Prozent der Probanden unter Placebo. Der Juckreiz verbesserte sich im Schnitt um 49 Prozent gegenüber dem Ausgangswert (versus 2 Prozent unter Placebo). All diese Ergebnisse waren statistisch signifikant. Zudem berichteten die Patienten oder ihre Betreuer von einer deutlich verbesserten Lebensqualität, inklusive Schlaf und Schmerzen. Außerdem traten deutlich seltener Hautinfektionen auf (12 versus 24 Prozent).

Ebenso wichtig wie die Wirksamkeit ist die Sicherheit: Laut Sanofi entsprach hier das Sicherheitsprofil dem bei älteren Patienten. Unerwünschte Ereignisse traten bei 64 Prozent unter Dupilumab und 74 unter Placebo auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Entzündungen des Nasen-Rachen-Raums (8 versus 9 Prozent), Infekte der oberen Atemwege (6 versus 8 Prozent), Bindehautentzündung (5 versus 0 Prozent), Herpesinfektionen (6 versus 5 Prozent) und Reaktionen an der Einstichstelle (2 versus 3 Prozent). Die Ergebnisse sind noch nicht in einer Fachzeitschrift mit Peer-Review-Verfahren veröffentlicht. Sanofi will sie demnächst bei den Zulassungsbehörden einreichen.

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