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Infektionen nachgewiesen

Neun Fälle von West-Nil-Fieber in Deutschland

In Sachsen und Berlin ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei neun Menschen das West-Nil-Virus nachgewiesen worden. Vermutlich haben die Betroffenen sich in Deutschland mit dem Erreger angesteckt.
dpa
PZ
11.09.2020  17:30 Uhr

Das West-Nil-Virus (WNV) ist der Erreger des West-Nil-Fiebers, einer akuten, oft grippeähnlichen Erkrankung, die von Mücken übertragen wird. Wie der Name schon sagt, stammt WNV ursprünglich aus Afrika, ist aber seit einigen Jahren dabei, sich auch in Deutschland zu etablieren. Das RKI hält Ansteckungen in Deutschland dauerhaft für möglich.

Jetzt informiert das RKIim »Epidemiologischen Bulletin« über neun Fälle von WNV-Infektionen. Bei sieben Betroffenen in Leipzig sei der Nachweis geführt worden, nachdem sie Symptome einer Erkrankung gezeigt hätten. Bei je einer Person aus Berlin und Meißen sei die Infektion beim Test von Blut- oder Plasmaspenden entdeckt worden. Sowohl in Leipzig wie auch in Berlin gibt es den Angaben zufolge weitere Verdachtsfälle. Die Ermittlungen zum Beginn der Erkrankung und dem genauen Infektionsort der Patienten laufen noch.

Keiner der Betroffenen habe von einer Reise berichtet, sodass von in Deutschland erworbenen Infektionen ausgegangen werde. Zudem werde erwartet, dass vor allem in Leipzig, aber auch in den anderen betroffenen Regionen im August wahrscheinlich weitere Infektionen aufgetreten seien, wo es jedoch zu keinen oder keinen schwerwiegenden Symptomen gekommen sei.

Reisemediziner raten zu Mückenschutz

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) reagierte auf die aktuellen Fälle mit einer Pressemitteilung. Die ersten Fälle von West-Nil-Fieber in Deutschlandseien in diesem Jahr Mitte Juli bei Vögeln in Berlin, Halle und Bernburg (Sachsen-Anhalt) sowie in Erfurt (Thüringen) gemeldet worden, heißt es da. »Wir raten insbesondere in diesen Gebieten zu konsequentem Mückenschutz«, so Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. Ein konsequenter Mückenschutz sei besonders wichtig, weil es keine Impfung gegen WNV gebe.

Dies gilt insbesondere in der Dämmerung und nachts, denn die Hauptüberträger in Europa sind die Mückenarten Culex pipiens und Culex modestus – und diese sind nachtaktiv. Das CRM rät bei Aufenthalten im Freien zu körperbedeckender Kleidung aus möglichst hellen, luftdurchlässigen Stoffen, gegebenenfalls imprägniert mit einem Insektizid wie Permethrin. Auf nicht bedeckte Hautstellen sollte ein Mückenmittel aufgetragen werden. Repellents, die den Wirkstoff DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid) in einer Konzentration von 30 bis 50 Prozent enthalten, gelten derzeit als das effektivste verfügbare Mittel.

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