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Ernährungsberatung und pädiatrische Pharmazie

Neuigkeiten bei Weiterbildungen

Die Bundesapothekerkammer hatte eine Modernisierung der Weiterbildung Ernährungsberatung beschlossen. Außerdem sollen Apotheker sich demnächst auch in pädiatrischer Pharmazie umfassend und strukturiert spezialisieren können.
Daniela Hüttemann
11.05.2022  12:00 Uhr

Das Fach Ernährungsberatung ist, gleichauf mit der Naturheilkunde und Homöopathie, der am häufigsten absolvierte Weiterbildungsbereich unter Pharmazeuten. Derzeit führen 2231 Apothekerinnen und Apotheker die entsprechende Zusatzbezeichnung. Die Empfehlungen zur Durchführung sind jedoch seit rund 15 Jahren nicht angepasst worden – höchste Zeit also für ein Update, das die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK) am Dienstag in Münster beschlossen hat.

Grundlage ist ein entsprechendes Curriculum der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie der Ernährungsmediziner. Zu den neuen Inhalten gehören demnächst unter anderem die Ernährungssoziologie (zum Beispiel Körperideale), Ernährung und Nachhaltigkeit, ernährungsbedingte Erkrankungen wie Essstörungen, Epidemiologie, Informationsbeschaffung in der Ernährungsberatung, der Säure-Basen-Haushalt, das Mikrobiom und biopsychosoziale Faktoren.

Der Umfang von 100 Stunden in der auf ein Jahr ausgelegten Weiterbildung bleibt gleich, die Inhalte werden jedoch neu gewichtet und verteilt. Erstmals werden die Lernziele genauer beschrieben (Kompetenzkatalog). Ein Kommunikationsseminar, wie es Teil der dreijährigen Weiterbildung Allgemeinpharmazie ist, ist nun nicht mehr separat und vorab zu belegen, sondern dessen kommunikativen Aspekte zur Durchführung einer Ernährungsberatung werden an entsprechender Stelle integriert. Die Änderungen wurden einstimmig angenommen.

Kinder und ihre Medikation stärker in den Fokus nehmen

Geplant ist eine neue Weiterbildung für pädiatrische Pharmazie. Die Kammern sehen hier ebenso wie bei der 2009 erfolgreich eingeführten Weiterbildung geriatrische Pharmazie einen großen Bedarf. Kinder, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, seien eine vulnerable Gruppe. Durch eine entsprechende Weiterbildung sollen Apothekerinnen und Apotheker so die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) noch weiter erhöhen. Die BAK erwartet hier eine große Nachfrage, wie es sich auch am Interesse entsprechender Fortbildungsangebote ablesen lässt.

Bisher vorgeschlagene Inhalte sind (chronische) pädiatrische Erkrankungen und deren Medikation, Selbstmedikation für Kinder, psychosomatische Störungen, Kinderpalliativmedizin, Allergien/Unverträglichkeiten, U-Untersuchungen, Zahngesundheit, Ernährung, kindgerechte Arzneiformen, pädiatrische Rezepturen, die Entwicklung von Kinderarzneimitteln sowie Notfälle wie Vergiftungen. 

In der Diskussion wurde angemerkt, auch klinische Aspekte einzubeziehen. Kinder seien gerade auch im Krankenhaus eine wichtige Patientengruppe, die fast immer eine individuelle Therapie benötige. Hier wurden Aspekte wie die Versorgung von Frühchen, parenterale Ernährung und Infusionsmanagement genannt. Dies sei nicht nur für Krankenhausapotheker und Apotheker in krankenhausversorgenden Apotheken wichtig, sondern durchaus auch für Offizinapotheker, denn viele Kinder werden zumindest zeitweise ambulant versorgt.

Der Beschluss, die pädiatrische Pharmazie in die Muster-Weiterbildungsordnung aufzunehmen, die Empfehlungscharakter für die Landesapothekerkammern hat, wurde einstimmig gefasst. Ebenso einstimmig wurde beschlossen, die dafür notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Zunächst soll sich eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung der genauen Struktur und Inhalte befassen.

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