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Psychiatrie
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Neufassung der Leitlinie Therapeutisches Drug-Monitoring

Bei Psychopharmaka können sich Arzneistoff-Konzentrationen trotz gleicher Dosierung interindividuell um ein Vielfaches unterscheiden. Therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) hilft, diese Variabilität sichtbar zu machen. Nun wurde die Leitlinie aktualisiert.
AutorKontaktLayla Baroudi
AutorKontaktGudrun Hefner
Datum 29.07.2026  09:00 Uhr
Neufassung der Leitlinie Therapeutisches Drug-Monitoring

Die Konsensus-Leitlinie für TDM in der Neuropsychopharmakologie wurde im Juli 2026 von der TDM-Taskforce, einer Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie (AGNP), aktualisiert (DOI: 10.1055/a-2860-7861). Zahlreiche Themen darin sind auch für Apotheker relevant, darunter Indikationen und Empfehlungsstufen für den Einsatz von TDM, therapeutische und dosisbezogene Referenzbereiche von Psychopharmaka, Alarmstufen für Labore, Empfehlungen und Hilfe für Interpretationsdienste, Empfehlungen für die Kombination von TDM mit pharmakogenetischen Tests sowie pharmakokinetische Parameter, die für die Interpretation von TDM-Ergebnissen erforderlich sind.

Typische Indikationen für ein TDM von Psychopharmaka sind unter anderem ein unzureichendes Therapieansprechen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Verdacht auf Non-Adhärenz oder Verdacht auf klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen. Auch bei besonderen Patientengruppen wie geriatrischen Patienten oder Schwangeren kann ein TDM wertvolle Zusatzinformationen liefern.

Für den klinischen Alltag entscheidend ist insbesondere die strukturierte Anwendung und adäquate Interpretation der Messwerte. Voraussetzung für Letzteres ist eine korrekte Probengewinnung, in der Regel als Talspiegel und im Steady-State, also 4 bis 5 Halbwertszeiten nach einer Dosisänderung. Die aktualisierte Leitlinie enthält Tabellen mit den Zeiten bis zum Steady-State und dem geforderten Intervall zwischen Arzneistoffeinnahme und Blutentnahme. Wichtig für die Interpretation ist zudem, dass die therapeutischen Referenzbereiche der Psychopharmaka nur in Monotherapie, also nicht bei Kombination von zum Beispiel zwei Antipsychotika und auch nur für die gelistete Indikation gelten.

Therapeutische und dosisbezogene Referenzbereiche

Therapeutische Referenzbereiche (TRR) definieren laut der Leitlinie Bereiche der Arzneimittelkonzentrationen im Blutplasma oder Serum, unterhalb derer eine durch das Arzneimittel hervorgerufene therapeutische Reaktion relativ unwahrscheinlich ist und oberhalb derer die Verträglichkeit abnimmt oder eine weitere Verbesserung der Therapie relativ unwahrscheinlich ist. Dosisbezogene Referenzbereiche (DRR) werden dagegen als errechneter, zu erwartender Bereich der Konzentration eines Arzneistoffes in Bezug auf die eingenommene Dosis definiert. DRR werden durch Multiplikation der Faktoren »dosisabhängige Konzentration« (DRC) niedrig und hoch aus einer Tabelle in der Leitlinie mit der Erhaltungsdosis ermittelt.

Für eine bestmögliche Interpretation der gemessenen Psychopharmaka-Blutspiegel kann die gemessene Arzneimittelkonzentrationen mit dem errechneten DRR verglichen werden. So erhält man Informationen über den individuellen pharmakokinetischen Phänotyp des Patienten und für die finale Therapieempfehlung.

Ein praxisnahes Instrument ist die sogenannte Neun-Felder-Tafel. Sie setzt die gemessene Arzneistoffkonzentration sowohl in Relation zum TRR als auch zum DRR und ermöglicht so eine strukturierte Einordnung. Auf diese Weise können Ursachen für auffällige Blutspiegel identifiziert werden, beispielsweise Non-Adhärenz, pharmakokinetische Interaktionen oder genetische Besonderheiten. Entscheidend ist dabei, dass auffällige Werte nicht vorschnell zu Dosisanpassungen führen, sondern zunächst im klinischen Kontext bewertet werden.

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