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Covid-19

Neues zum Risikofaktor Alter

Die Rolle des Alters bei SARS-CoV-2-Infektionen ist im Hinblick auf geeignete Präventionsmaßnahmen von großer Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie sind Menschen ab 20 Jahren doppelt so anfällig für Covid-19 wie Kinder und Teenager.
Carolin Lang
18.06.2020  12:00 Uhr

Die kürzlich im Fachjournal »Nature Medicine« veröffentlichte Studie führte außerdem zu der Erkenntnis, dass klinische Symptome häufiger bei älteren Betroffenen auftreten. Demnach würden schätzungsweise 69 Prozent der über 70-jährigen Symptome entwickeln. Im Vergleich dazu seien es bei den Infizierten zwischen 10 und 19 Jahren nur circa 21 Prozent.

Die Wissenschaftler der »London School of Hygiene & Tropical Medicine« entwickelten ein Übertragungs-Modell, um sowohl die Krankheitsanfälligkeit als auch das Auftreten klinischer Symptome abhängig vom Alter abzuschätzen. Dazu werteten sie demografische Daten von 32 Standorten aus China, Italien, Japan, Singapur, Kanada und Südkorea aus. Zudem bezogen sie sechs Publikationen über geschätzte Infektionsraten und den Schweregrad der Symptome verschiedener Altersgruppen in die Analyse ein.

Sie simulierten außerdem Coronavirus-Pandemien in 146 Städten und stellten dabei fest, dass die erwartete Anzahl klinischer Fälle je nach Altersdurchschnitt der Population variiert. Für Städte mit einer durchschnittlich älteren Bevölkerung prognostizierten sie mehr klinische Fälle, für solche mit einer durchschnittlich jüngeren Bevölkerung hingegen mehr asymptomatische Infektionen oder Erkrankungen mit leichten Symptomen. Die geschätzte Basis-Reproduktionszahl unterschied sich jedoch nicht wesentlich.

Die Autoren vermuten, dass Präventionsmaßnahmen bei Kindern für eine Eindämmung der Pandemie vergleichsweise uneffektiv seien. Sie weisen außerdem darauf hin, dass zur Kontrolle des Verlaufs weitere Forschungsarbeiten erforderlich seien, die die Übertragbarkeit von asymptomatischen Infektionen oder Infektionen mit leichten Symptomen untersuchen. Auch eine Studie aus Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Kinder vermutlich keine Treiber der Infektionswelle sind.

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