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Forschungsergebnisse

Neues zu Ginkgo, Psilocybin, Ingwer und Sägepalmenfrüchten

Potenzielle neue Indikationen für Ingwer

Das Rhizom des Ingwers (Zingiber officinale) wird als traditionelles Heilmittel zur Linderung von verschiedenen Gesundheitsproblemen wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde sieht in der aktuell in Überarbeitung befindlichen Monographie die Wirksamkeit des Ingwers bei Reisekrankheit als belegt an. Für die Behandlung von leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen ist die klinische Datenlage hingegen weniger gut. Schwangerschaftserbrechen, Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) oder postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) fanden bisher keine Erwähnung in der HMPC-Monographie. Das könnte sich in der nächsten Auflage jedoch ändern.

Zahlreiche klinische Studien zeichnen mittlerweile ein durchweg posi­tives Bild in den aufgeführten Indika­tionsbereichen. Eine systematische Übersichtsarbeit mit mehr als 109 randomisierten klinischen Studien zeigt positive Effekte von Ingwerbei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft. Die Forscher werteten dazu zehn kontrollierte klinische Studien aus. Im Vergleich zu Placebo zeigten sich in der Ingwer-Behandlungsgruppe signifikante positive Effekte. Darüber hinaus konnte vergleichbare Effektivität mit etablierten Therapieoptionen wie Vitamin B6 (Pyridoxin), Anti­histaminika oder Metoclopramid (MCP) nachgewiesen werden. Gastrointestinale Beschwerden waren die häufigsten unerwünschten Wirkungen des Ingwers, die meistens als nicht schwerwiegend eingestuft wurden. Bezüglich der Teratogenität gibt ein Review Entwarnung.

Sägepalmenfrüchteextrakt ebenso wirksam wie Alphablocker

Auch im Bereich der Urologie lassen neue Ergebnisse aufhorchen. Eine Metaanalyse von vier kontrollierten Studien mit insgesamt 1080 Patienten widmete sich der Frage, ob Sägepalmenfrüchteextrakt bei mindestens sechsmonatiger Anwendung die Beschwerden des unteren Harntrakts aufgrund einer benignen Prostatahyperplasie vergleichbar wie Tamsulosin lindern kann. Die Anwendung von Sägepalmenfrüchteextrakt führte im Vergleich mit dem Alphablocker zu einer ähnlichen Verbesserung der Miktionsbeschwerden, erhoben anhand des International Prostate Symptom Score (IPSS), sowie der Lebensqualität. Vergleichbar waren auch die Resultate für die maximale Harnflussrate, das Restharnvolumen und die Werte des prostataspezifischen Antigens. Lediglich bei der Verringerung des Prostatavolumens war der Effekt durch Tamsulosin stärker aus­geprägt. Der Pflanzenextrakt erhöhte nicht das Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, insbesondere in Bezug auf Ejakulationsstörungen und Libidoverlust.

Im Einklang damit stehen aktuelle Daten aus einer Subgruppenanalyse der QUALIPROST-Studie, die einen Vorteil in der Kombination der beiden Therapieoptionen zeigen. In der sechsmonatigen, offenen Beobachtungsstudie verbesserte sich der IPSS um 7,2 ± 5,0 Punkte in der Kombinations-Gruppe (n = 184) im Vergleich zu 5,7 ± 4,3 Punkte unter Tamsulosin (n = 263) und 5,4 ± 4,6 Punkte unter Sägepalmenmonotherapie (n = 262). Von allen Parametern war in erster Linie eine ausgeprägte Verbesserung der Lebensqualität bei der Kombinationstherapie zur beobachten. Die Monotherapie mit dem Pflanzenextrakt wurde auch hier gut vertragen, bei der Kombinationstherapie dominierten die unerwünschten Effekte des Tamsulosins, nicht zuletzt in Bezug auf Sexualfunktion und Blutdruck.

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