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Lungenerkrankung

Neues Coronavirus hat jetzt einen Namen

Die neue Lungenerkrankung bekam am Dienstag einen eigenen Namen: Covid-19. Zugleich erhielt auch das zunächst vorläufig 2019-nCoV genannte neue Coronavirus eine eigene Bezeichnung: SARS-CoV-2.
PZ/dpa
12.02.2020
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Covid steht für «COrona VIrus Disease», teilte am Dienstagabend der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Ein Team des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren bezieht sich mit dem Namen SARS-CoV-2 auf die sehr enge Verwandtschaft zum SARS-Virus (SARS-CoV), an dem 2002/2003 Hunderte Menschen gestorben waren. Die Viren sind Experten zufolge Varianten ein und derselben Virusart.

«Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite», sagte der WHO-Chef am Dienstag zum Auftakt eines Expertengipfels in Genf. «Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das hinbekommen.» In Genf tagen bis Mittwoch Experten aus aller Welt, um die Erforschung des Virus voranzubringen und möglichst die Grundlage zur Entwicklung eines Impfstoffs zu legen. Die weltweit führenden Fachleute wollen sich in den zwei Tagen unter anderem mit Therapien, der möglichen Quelle des Virus und seiner Übertragbarkeit befassen.

Der Ausbruch ist laut Ghebreyesus ein Test für die politische Solidarität: zu sehen, ob die Welt diesen gemeinsamen Feind über Grenzen und Ideologien hinweg bekämpfen könne. Ein Test für die finanzielle Solidarität: ob die Welt jetzt genügend in den Abwehrkampf investiere. Und es sei ein Test der wissenschaftlichen Solidarität: ob die Welt zusammenkommen könne, um gemeinsam Antworten auf gemeinsame Probleme zu finden. Tedros bezeichnete den Ausbruch als «Notlage für China, aber auch eine ernsthafte Bedrohung für den Rest der Welt». 

Fallzahlen nicht unbedingt aussagekräftig

Das Coronavirus hat in China innerhalb von 24 Stunden erneut fast 100 Todesopfer gefordert: Wie die Nationale Gesundheitskommission am Mittwoch mitteilte, kamen landesweit im Vergleich zum Vortag 97 Todesfälle hinzu. Die Zahl der Infektionen stieg demnach um 2.015 Fälle. Sowohl die Zahl der neuen Opfer als auch die der neu erkrankten Patienten ging den offiziellen Angaben zufolge damit im Vergleich zum Vortag etwas zurück. Am Dienstag waren noch 108 Todesfälle und 2.478 neue Infektionen gemeldet worden.

Allerdings zählt die Gesundheitskommission Menschen, bei denen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lungenkrankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit – ein Vorgehen, dass klar der Definition der Weltgesundheitsorganisation widerspricht. Die WHO betrachtet jemanden als nachweislich infiziert, wenn das Virus durch ein Labor bestätigt wurde – «ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome». Die WHO selbst hatte zunächst keine Kenntnis von einer derartigen Änderung der Statistik. Vielmehr sei die Definition, welche Fälle gezählt werden, nach ihren Informationen erweitert worden, sagte WHO-Expertin Sylvie Briand in Genf.

Generell dürfte die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle in China immens sein. «Wir sehen nicht den echten täglichen Anstieg, sondern die tägliche Obergrenze in der Fähigkeit, neue Fälle zu identifizieren», erklärte der Coronavirus-Experte Professor Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité. Es könne sein, dass das Hindernis im Meldesystem die Testung ist, es könne aber auch etwas anderes sein. «Ich gebe inzwischen nichts mehr auf diese Zahlen.»

Die meisten Opfer kamen erneut aus der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan das Virus erstmals auf den Menschen übergesprungen war. Dort wurden 94 der neuen Todesfälle registriert. Die Gesamtzahl der Opfer auf dem chinesischen Festland liegt nun bei 1.113. Bei mehr als 44.000 Menschen wurde eine Infektion bestätigt. Weltweit sind außerhalb des chinesischen Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt, davon 16 in Deutschland.

Coronovirus heute Thema im Bundestag

Alle nun insgesamt 14 bestätigten Coronavirusfälle in Bayern stehen in Zusammenhang mit dem Automobilzulieferer Webasto. Dort war eine chinesische Kollegin zu Gast, die wenig später zurück in ihre Heimat flog, wo ihre Infektion nachgewiesen wurde. In Deutschland wurde das Virus zudem bei zwei am 1. Februar von China nach Frankfurt/Main ausgeflogenen Menschen nachgewiesen.

Am Mittwoch will der Bundestag über die Vorbeugemaßnahmen gegen das Virus beraten. Der Bundestag berät am Mittwoch (15.10 Uhr) über die Vorbeugemaßnahmen gegen das Coronavirus in Deutschland. CDU/CSU und SPD haben dazu eine Aktuelle Stunde beantragt. Angesichts zahlreicher kursierender Falschmeldungen und Gerüchte dürfte es der Regierung vor allem darum gehen, die Diskussion zu versachlichen.

Nach Ansicht des Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Manfred Weber, fehlt der EU ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Bisher habe es lediglich nationale Reaktionen und keine koordinierte Antwort auf das Szenario gegeben, sagte Weber am Dienstag am Rande der EU-Parlamentswoche in Straßburg. Derzeit gebe es auch keinen Solidaritätsmechanismus, kritisierte Weber. Dieser werde benötigt, um sicherzustellen, dass Hilfe geleistet werde, wenn Hilfe notwendig sei, sagte der EVP-Fraktionschef.

Die EU hat in der Frage nach der Reaktion auf das Coronavirus generell nur wenig Kompetenz, diese liegt primär bei den Mitgliedsstaaten selbst. Insgesamt seien bisher mehr als 500 EU-Bürger aus China zurück in ihre Heimatländer gebracht worden, hatte der Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, am Montag in Brüssel erklärt. Die EU sei in ständigem Kontakt mit den chinesischen Behörden.

Die EU-Gesundheitsminister sollen am Donnerstag zu einem Sondertreffen zum Coronavirus in Brüssel reisen. Die Ressortchefs der EU-Länder wollen dort über den Kampf gegen die Epidemie beraten. Für Deutschland will Gesundheitsminister Jens Spahn an dem Treffen teilnehmen.

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