| Kerstin A. Gräfe |
| 02.04.2026 07:00 Uhr |
Die Mammografie ist nicht nur ein wichtiges Verfahren zur Früherkennung, sondern auch zur Bestimmung des Therapieverlaufs bei einer Brustkrebserkrankung. / © Adobe Stock/okrasiuk
Imlunestrant ist ein selektiver Antagonist des Wildtyp- und mutierten Estrogenrezeptors α (ERα) und gehört wie Fulvestrant und Elacestrant zur Klasse der selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD). SERD binden kompetitiv an den Estrogenrezeptor und verhindern dadurch die Bindung des natürlichen Liganden. Das führt zur Hemmung der Estrogenrezeptor-abhängigen Gentranskription und der zellulären Proliferation in ER-positiven Brustkrebszellen.
Zugelassen ist Imlunestrant (Inluriyo® 200 mg Filmtabletten, Eli Lilly) als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit Estrogenrezeptor-positivem (ER+), HER2-negativem (HER2-), lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs mit einer aktivierenden ESR1-Mutation, wenn die Erkrankung nach einer vorherigen endokrinen Therapie progredient ist. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sowie bei Männern ist der Wirkstoff mit einem Luteinisierungshormon-Releasinghormon-(LHRH-)Agonisten zu kombinieren.
ESR1-Mutationen sind erworbene Mutationen, die bei bis zu 40 Prozent der Patientinnen mit ER+/HER2- metastasiertem Brustkrebs nach einer endokrinen Therapie auftreten.
Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 400 mg oral. Die Tabletten sollen mindestens zwei Stunden vor dem Essen auf nüchternen Magen oder eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden. Wenn die Einnahme einer Tagesdosis zum üblichen Zeitpunkt versäumt wurde, kann sie innerhalb von sechs Stunden nachgeholt werden. Sind mehr als sechs Stunden vergangen, ist die Dosis an diesem Tag auszulassen und am Folgetag zur üblichen Zeit einzunehmen.
Einige Nebenwirkungen können eine Therapieunterbrechung und/oder Dosisreduktion erforderlich machen. Detaillierte Empfehlungen dazu finden sich in der Fachinformation. Wird eine Tagesdosis von 200 mg nicht vertragen, muss die Therapie mit Imlunestrant abgebrochen werden.
Bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung ist die einmal tägliche Dosis auf 200 mg zu reduzieren. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung ist besondere Vorsicht geboten. Die Behandlung sollte nur unter enger Überwachung auf Anzeichen einer Toxizität erfolgen.
Imlunestrant wird maßgeblich über CYP3A4 metabolisiert. Die gleichzeitige Einnahme starker CYP3A-Induktoren und -Inhibitoren ist zu vermeiden. Anderenfalls sollte die Tagesdosis um 200 mg erhöht beziehungsweise reduziert werden.
Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Imlunestrant mit Substraten von CYP2D6, P-Glykoprotein und BCRP.
Das Vorliegen einer Schwangerschaft ist vor Beginn einer Behandlung auszuschließen. Frauen im gebärfähigen Alter und zeugungsfähige Männer sind darauf hinzuweisen, dass während der Behandlung und mindestens eine Woche nach der letzten Dosis eine hochwirksame Verhütungsmethode anzuwenden ist. In der Stillzeit ist Imlunestrant kontraindiziert.
Die Zulassung basiert auf der randomisierten, offenen Phase-III-Studie EMBER-3 mit 874 Patientinnen, von denen etwa 40 Prozent eine ESR1-Mutation aufwiesen. Die Teilnehmerinnen wurden im Verhältnis 1:1:1 randomisiert und erhielten entweder Imlunestrant, eine endokrine Standardtherapie (Fulvestrant oder Exemestan) oder Imlunestrant plus Abemaciclib. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), bewertet durch einen Prüfarzt.
Imlunestrant verlängerte signifikant das PFS bei Patientinnen mit ESR1-Mutationen im Vergleich zur Standardtherapie: Das mediane PFS betrug 5,5 Monate gegenüber 3,8 Monaten. In der Gesamtpopulation wurde jedoch keine signifikante Verbesserung des PFS durch Imlunestrant allein erreicht (Hazard Ratio 0,87).
Allerdings erhöhte die Kombination von Imlunestrant mit Abemaciclib das PFS signifikant gegenüber der Monotherapie mit Imlunestrant (HR 0,57). Das mediane PFS betrug 9,4 Monate für die Kombination gegenüber 5,5 Monaten für die Monotherapie. Der Vorteil war in allen Gruppen erkennbar, unabhängig von ESR1- oder PI3K-Signalweg-Mutationen sowie von einer vorangegangenen Behandlung mit einem CDK4/6-Inhibitor.
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählten Durchfall, Übelkeit, Gelenkschmerzen, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, Rückenschmerzen, Fatigue sowie erhöhte Triglycerid- und Leberenzymwerte.
Nach Elacestrant, das im Jahr 2023 auf den Markt kam, ist Imlunestrant der zweite oral verfügbare selektive Estrogenrezeptor-Degrader (SERD). Der Wirkmechanismus und die orale Einnahme bringen also keinen Therapiefortschritt.
Auch beim Einsatzgebiet muss man genau hinsehen. Wie Elacestrant ist Imlunestrant eine Option bei ER+/HER2- fortgeschrittenen oder metastasierten Brusttumoren, die ESR1-Mutationen aufweisen. Elacestrant kommt allerdings bisher nur bei postmenopausalen Frauen und bei Männern infrage. Imlunestrant ist auch eine Option bei prä- und perimenopausalen Patientinnen. Das Anwendungsgebiet ist also breiter, was im individuellen Fall ein Vorteil sein kann und die vorläufige Bewertung als Schrittinnovation rechtfertigt. Festzuhalten bleibt aber, dass der Vorteil des neuen Wirkstoffs in der zulassungsrelevanten Studie im Vergleich zur Standardtherapie nicht riesengroß war.
Abzuwarten ist, wie es mit Imlunestrant weitergehen wird. Der Wirkstoff wird zum Beispiel auch in Kombination mit Abemaciclib bei fortgeschrittenem Brustkrebs erforscht.
Sven Siebenand, Chefredakteur