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Cefiderocol

Neues Antibiotikum wirksam in Studie

Cefiderocol, der erste Vertreter der neuen Antibiotika-Klasse der Siderophor-Cephalosporine, hat sich in einer Phase-II-Studie bei komplizierten bakteriellen Harnwegsinfekten (HWI) als wirksam erwiesen. Die Substanz soll auch gegen Carbapenem-resistente Bakterien wirksam sein, konnte das aber in der Studie nicht unter Beweis stellen, weil Imipenem die Vergleichssubstanz war.
Annette Mende
26.10.2018
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Cefiderocol wurde entwickelt, um dem wachsenden Problem der Resistenzbildung gramnegativer Bakterien gegen Carbapeneme zu begegnen, berichtet ein Team um Dr. Simon Portsmouth vom japanischen Pharmaunternehmen Shionogi im Fachjournal »The Lancet Infectious Diseases«. Die Bakterien nutzen drei Mechanismen, um sich gegen den Angriff von Antibiotika zu wehren: Sie haben zwei äußere Membranen, die die Penetration in die Zelle erschweren, Porinkanäle, über die sie die Aufnahme von Fremdsubstanzen in die Zelle regulieren, und Effluxpumpen, mittels derer sie Antibiotika, die es trotz allem in die Zelle geschafft haben, wieder nach draußen befördern.

Indem es sich wie ein Trojanisches Pferd verhält, umgeht Cefiderocol alle diese Hindernisse, erklärt Portsmouth in einer Mitteilung des Fachblatts. Der Wirkstoff mache sich den Eisenbedarf der Bakterienzelle zunutze, um in sie einzudringen. Während einer Infektion schaffe das Immunsystem ein eisenarmes Milieu. Die Bakterienzelle reagiere darauf, indem sie vermehrt Eisen aufnimmt. »Cefiderocol bindet Eisen und wird so über das aktive Transportsystem der Zelle ins Innere geschleust. Die Porine werden umgangen und falls eine Effluxpumpe den Wirkstoff wieder hinausbefördert, wird er über den aktiven Transporter erneut aufgenommen«, so Portsmouth.

In der Studie wurde Cefiderocol an 448 erwachsenen Patienten, die aufgrund einer komplizierten HWI hospitalisiert waren, mit Imipenem-Cilastin verglichen. Cefiderocol führte bei 73 Prozent der Patienten zum klinischen und mikrobiologischen Ansprechen, Imipenem-Cilastin bei 55 Prozent. Nebenwirkungen traten bei 41 Prozent der mit Cefiderocol behandelten Patienten auf versus 51 Prozent unter Imipenem-Cilastin. In beiden Gruppen betrafen die Nebenwirkungen zumeist den Magen-Darm-Trakt: Es kam zu Durchfall, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Unter den schwerwiegenden Nebenwirkungen war eine Infektion mit Clostridium difficile die häufigste.

Ein Manko der Studie war, dass sie den neuen Wirkstoff mit dem Carbapenem-Antibiotikum Imipenem verglich und deshalb Patienten mit Carbapenem-resistenten Erregern ausgeschlossen waren, so die Autoren. Portsmouth zufolge laufen aber zurzeit weitere Studien, von denen eine die Wirksamkeit von Cefiderocol bei Infektionen mit Carbapenem-resistenten Bakterien untersucht.

Foto: iStock/Scharvik

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