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Zirkadiane Depression
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Neuer Subtyp benötigt andere Behandlung

Australische Forschende haben einen neuen Subtyp der Depression entdeckt – die zirkadiane Depression. Diese ist durch Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus gekennzeichnet und geht oft mit schwereren depressiven Beschwerden einher.
AutorChristina Düll
Datum 23.10.2026  11:30 Uhr

Depressionen können sich von Person zu Person unterschiedlich äußern. Einige Erkrankte leiden unter Schlafstörungen, einem verschobenen Schlafrhythmus und kommen morgens nur schwer aus dem Bett. Solche Merkmale stehen im Zusammenhang mit der inneren Uhr des Menschen, die den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert.

Forschende um Dr. Emiliana Tonini von der Universität Sydney untersuchten Daten von 11.380 Erwachsenen mit Depression aus der Australian Genetics of Depression Study. Anhand von sechs Merkmalen ordneten sie die Teilnehmenden einem zirkadianen oder einem nicht zirkadianen Profil zu. Als zirkadian galten Patienten, die mindestens drei Merkmale aufwiesen: Dazu zählten unter anderem ein Abendchronotyp, morgendliche Müdigkeit, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und saisonale Schwankungen der depressiven Beschwerden. Fast 25 Prozent der depressiv Erkrankten konnten dem zirkadianen Subtyp zugeordnet werden. Dabei waren Frauen häufiger betroffen als Männer.

Erkrankte des zirkadianen Subtyps litten häufig bereits in frühen Jahren an einer Depression und berichteten von mehr und schwereren depressiven Episoden. Auch Suizidgedanken, morgendliche Müdigkeit und Gewichtszunahme traten häufiger auf. »Unsere Forschung hat die zirkadiane Depression als neuen Subtyp identifiziert, der etwa ein Viertel der Personen in unserer Studie zu Menschen mit schwererer, wiederkehrender oder anhaltender Depression betrifft«, sagt Tonini in einer Mitteilung der Universität.

Genetische Analysen ergaben zudem Zusammenhänge mit einem erhöhten Risiko für neuroentwicklungsbedingte Störungen und entzündliche Prozesse. Die Daten wurden im »British Journal of Psychiatry« veröffentlicht (DOI: 10.1192/bjp.2026.10798).

Mögliche Konsequenzen für die Behandlung

Betroffene der zirkadianen Depression berichteten, dass Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bei ihnen weniger wirksam waren. Gleichzeitig gaben sie verstärkt Nebenwirkungen dieser Medikamente an.

Tonini und ihr Team vermuten, dass die Behandlung bei diesem Subtyp stärker auf den Schlaf-Wach-Rhythmus der Betroffenen abgestimmt werden sollte. »Den meisten jungen Menschen werden zuerst SSRI angeboten, aber für mindestens ein Viertel gibt es bessere, zirkadian-orientierte medizinische und verhaltensbezogene Optionen, um ihre Erkrankung zu behandeln und zu managen«, erklärt Seniorautor Professor Dr. Ian Hickie, Codirektor des Brain and Mind Centre in Sydney. Beispielsweise mit Lichttherapien und Melatonin könnte in einer Behandlung gearbeitet werden.

Ob die zirkadiane Depression tatsächlich einen eigenständigen biologischen Subtyp darstellt, ist bisher unklar. Die Forschenden erfassten keine physiologischen Messwerte des Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern nutzten hauptsächlich die Angaben der Teilnehmenden. Weitere Studien müssen daher prüfen, ob sich das Profil des zirkadianen Subtyps biologisch bestätigen lässt.

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