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Covid-19

Neuer Antikörper soll Komplement-System dämpfen

In den Niederlanden hat ein erster schwer erkrankter Covid-19-Patient im Rahmen einer klinischen Studie einen experimentellen Antikörper erhalten, der sich gegen den Komplementfaktor C5a richtet.
Daniela Hüttemann
01.04.2020
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Das Komplementsystem ist Teil der unspezifischen humoralen Immunabwehr. Es besteht aus mehr als 40 verschiedenen Proteinen, die in Anwesenheit von Pathogenen oder Antikörpern aktiviert werden. Der Komplementfaktor C5a gehört zu den sogenannten Anaphylatoxinen und sorgt unter anderem für die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen und die Aktivierung von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten.

Die Firma InflaRx entwickelt monoklonale Antikörper, die sich hochselektiv gegen C5a richten und die Immunantwort deutlich dämpfen sollen, ohne die Formation des Membran-Angriffskomplexes, der über C5b läuft, zu beeinflussen. Ziel ist es, eine überschießende Immunreaktion zu kontrollieren. Im Jahr 2015 hat das Biotechnologie-Unternehmen nach eigenen Angaben erfolgreich eine Phase-II-Studie mit dem Antikörper IFX-1 abgeschlossen, an der Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen und beginnendem Organversagen teilgenommen hatten. Insgesamt seien im Rahmen klinischer Studien bislang rund 300 Menschen mit IFX-1 behandelt worden. Der Antikörper sei gut vertragen worden.

Genau diesen Antikörper sollen nun schwer erkrankte Covid-19-Patienten in einer klinischen Studie zunächst in den Niederlanden erhalten. Imzugedessen habe gestern der erste Proband das potenzielle Medikament erhalten, meldete InflaRx. In China seien bislang zwei Patienten mit schwerer durch das neue Coronavirus bedingter Lungenentzündung mit einem anderen experimentellen Anti-C5a-Antikörper mit dem Kürzel BDB-001 im Rahmen eines individuellen Heilversuchs behandelt worden. BDB-001 sei ein Abkömmling von IFX-1. BDB steht für Beijing Defengrei Biotechnology, ein chinesischer Lizenznehmer von InflaRx. Die Firma spricht von positiven Daten.

Auf dieser Basis sowie präklinischer Forschung zur Rolle von C5a bei viral induzierter Pneumonie habe InflaRx entschieden, seinen Arzneistoffkandidaten nun in einer klinischen Studien bei Patienten mit fortgeschrittener Pneumonie durch SARS-CoV-2 testen. Der erste Patient wird derzeit am Amsterdam University Medical Center behandelt. Weitere Studienorte sollen folgen, auch in Deutschland. Entsprechende Anträge sind gestellt. Die Firma will dafür bereits laufende klinische Studien mit IFX-1 in anderen Indikationen zur Not zurückstellen.

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