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Fusionshemmung dank LY6E

Neuer Ansatz für Covid-19-Medikamente

Das Immunprotein LY6E kann Coronaviren, auch SARS-CoV-2, stark hemmen. Möglicherweise lassen sich aus dieser Erkenntnis neue Behandlungsstrategien ableiten.
Sven Siebenand
28.07.2020  17:00 Uhr
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In »Nature Microbiology« haben Forscher um  die Virologin Professor Dr. Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum gerade beschrieben, wie das LY6E-Protein Coronaviren daran hindert, eine Infektion auszulösen. In einer Pressemitteilung nimmt die Hochschule Bezug auf diese Publikation. 

Das Lymphozytenantigen 6E (LY6E) spielt bei verschiedenen Erkrankungen eine Rolle. Vor einiger Zeit entdeckten Forscher zum Beispiel, dass das Protein die Infektiosität von Influenzaviren verstärkt. Auf Coronaviren hat LY6E offenbar genau den gegenteiligen Effekt. »Es wirkt auf sie stark hemmend«, so Pfänder. Weitere Untersuchungen belegten, dass das Protein diese hemmende Wirkung auf alle getesteten Coronaviren ausübte, darunter auch die Erreger von SARS und MERS sowie SARS-CoV-2, den Auslöser von Covid-19.

Tests mit verschiedenen Zellkulturen zeigten, dass LY6E die Fähigkeit des Virus beeinträchtigt, mit den Wirtszellen zu fusionieren. »Wenn das Virus nicht mit diesen Zellen fusionieren kann, kann es keine Infektion auslösen«, erklärt Mitautor Professor Dr. Volker Thiel von der Universität Bern. 

Im Tiermodell zeigte sich, dass die Mausvariante des Proteins einen Schutz von Immunzellen vor Infektionen bietet. Mäuse, denen Ly6E in Immunzellen fehlte, waren sehr anfällig für ein normalerweise nicht tödliches Maus-Coronavirus und starben daran. 

Die Forscher betonen, dass sich das im Experiment verwendete Maus-Coronavirus deutlich von SARS-CoV-2 unterscheidet. Dennoch sei es weithin als Modell für das Verständnis der grundlegenden Konzepte der Coronavirus-Replikation und der Immunreaktionen in einem lebenden Tier anerkannt.

»Unsere Studie bringt neue Erkenntnisse darüber, wie wichtig antivirale Gene für die Kontrolle der Virusinfektion und für eine angemessene Immunantwort gegen das Virus sind«, lautet das Fazit der Forscher. Da LY6E auch beim Menschen ein natürlich vorkommendes Protein ist, hoffen sie, dass dieses Wissen bei der Entwicklung von Therapien helfen kann. Ein Ansatz, der den Wirkmechanismus von LY6E nachahmt, könne zum Beispiel eine erste Verteidigungslinie gegen neuartige Coronavirus-Infektionen darstellen.

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